Wollen können, müssen sollen,…

Vielleicht hätte ich die Konjunktive nennen sollen? Gestern bin ich auf meiner Streiftour durch Stuttgart im Hugendubel gelandet und mir sprang beim verdienten Kaffee ein Buch in die Optik: Willenskraft effizient einsetzen. Jo. Da der Kaffeegast am Tisch nebenan das Buch scheinbar nicht für würdig befand, seinen Platz im Regal wieder einzunehmen, habe ich also meine CHANCE auf Erkenntnis genutzt und „geschmökert“. Im ersten Moment dachte ich: Genau mein Ding. Willenskraft! YEAH! Here I go! Nach drei Seiten war ich angewidert. Angeblich geben über 80% aller Menschen an, dass sie Ziele nicht erreichen, weil ihre Willenskraft nicht ausreicht. Das kann doch nicht angehen. Was sind denn das für Ziele? Abnehmen, das Rauchen aufgeben, die Wohnung sauberer halten, den nächsten Universitätsabschluss, der nächste Sprung auf der Karriereleiter? Vielleicht lohnen sich manche Ziele nicht, vielleicht sind manche Ziele einfach unerreichbar… Aber die Willenskraft… Wie soll man sich der nähern? Ich will bestimmt abnehmen, funktioniert auch gerade, bisschen Bewegung hilft schon viel. Ich sollte auch mit dem Rauchen aufhören wollen, aber das sollte ich auch nur. Ich will mehr Menschen kennenlernen hier in der Noch-Fremde, aber Freunde auf Bestellung sind gerade aus. Und? Wo fehlt mir da eigentlich Willenskraft? Ich will momentan viel, alles zu seiner Zeit. Mit der Brechstange funktioniert es nicht; das Leben. Im Grunde sind die Ziele, die man nicht erreicht, doch Ziele, die man entweder nicht erreichen will oder nicht erreichen kann. Somit als Ziele auch schon wieder disqualifiziert sind. Vielleicht fehlt die Lust auf den nächsten Universitätsabschluss, das Können für den nächsten Karrieresprung, das Talent zum Blockflöte spielen. Muss ich mich wirklich schlecht fühlen, Schuldgefühle erleiden und verzweifeln, wenn ich etwas nicht schaffe? Ist es nicht das größere Eingeständnis zu sagen: Ich kann das nicht. Oder: Da habe ich keine Lust zu. Ist diese Strebsamkeit sowas wie ein virtueller Kampf, wer den Längsten hat? Wer mitspielen will, muss mitmachen? Versteh ich das richtig? Rhythmus wo man mit muss?

Da propagiert einer, dass man nicht Jedem helfen kann und erst recht nicht soll. Wenn man nicht an Auge um Auge, Zahn um Zahn glaubt ist man gleich naiv. Wer Ideale hat, versteht die Welt nicht. Ideale im Sinne von nicht-erreichten Zielen sind konsequenterweise mangelnde Willenskraft. Ich werde gerade müde. Meine Willenskraft ist super: Ich will nicht weiterschreiben.

Gute Nacht, du willenlose Welt.

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