Lust auf Kant

Eigentlich beschäftigten mich in letzter Zeit drei Situationen. Alle drei führten mich mehr oder weniger begründet und mehr oder weniger rational zu Kant, über den ich mir jetzt gepflegtes Wikipedia-Wissen angeeignet habe. Ach so, Wikipedia ist out, ich las selbstverständlich wissenschaftliche Literatur, also Kant im Original. Ehrlich!
Die erste Annäherung war die an mich herangetragene Frage: „Ist das Heikes kategorischer Imperativ?“ Grob zusammengefasst beschäftigt sich der kategorische Imperativ mit der allgemein möglichen Gültigkeit individuellen Handelns, also: Der Einzelne soll so handeln, dass sein Handeln ein allgemein gültiges Gesetz werden kann / wird. In Summe weder eine Überraschung, noch eine Verfehlung, noch eine Inhaltsanalyse des Handels, sondern lediglich eine Handlungsmaxime nach der man leben kann. Für meinen Teil kann ich es nicht beurteilen inwieweit ich persönlich danach lebe oder auch nicht. Der springende Punkt: Der Fragende wollte mir kein Kompliment machen, sondern vielmehr mein Gutmenschentum kritisieren / karikieren. Mal ganz abgesehen davon, dass der Begriff „Gutmensch“ aus der Nazi-Zeit entstammt und somit per se ad acta gelegt werden kann, beschreibt er weniger einen guten Menschen, als einen naiv moralisierenden Idioten, dem wahlweise Realitätsverlust, Showtalent oder auch Dummheit unterstellt wird. In Summe also lieber noch der kategorische Imperativ als der Titel „Gutmensch“. Nun bin ich jedoch kein Altruist und meine Absichten sind keine hehren Ziele, keine universal weltverbessernden Absichten und auch keine Inszenierung meiner Person, sondern vielmehr die stete Bemühung meine eigene sehr kleine Welt in einer Waage zu halten, die sich durch das einfache Prinzip Geben und Nehmen auszeichnet. Gelingt ab und zu, mal gut und mal schlecht.
Momentan eher schlecht in einer Situation in der ich mir eine subjektiv empfundene moralische Pflicht auf die Fahne schrieb, die ich nicht schultern kann und zu der Frage geführt wurde, wem ich etwas schulde und wer mir etwas schuldet. Wer darf mich ohne Wissen –aber mit Recht- kritisieren und wer darf massiv Entscheidungen anzweifeln und in diese eingreifen? Gute Freunde dürfen das, sofern qualifiziert als gute Freunde.
Der Soziologe Jürgen Habermas interpretiert den kategorischen Imperativ als Handlung, die dem öffentlichen Diskurs zur Überprüfung vorgelegt werden soll. Das heißt, dass nicht Jeder seinen eigenen kategorischen Imperativ entwirft, sondern vielmehr ein Konsens über eine bestimmte Handlung entstehen muss um diese als allgemein gültiges Gesetz zu bestätigen. Da ich vielleicht naiv, aber sicher nicht größenwahnsinnig bin, beanspruche ich folglich weder den kategorischen Imperativ noch die Moral für mich.
Ich geh noch ein bisschen Kant googlen, wer kommt mit?

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