Teil 1: Im Märzen der Bauer oder: Wie es dazu kam…

Wie der Titel schon sagt: Wie es dazu kam…

Dazu ließe sich natürlich so einiges sagen. Und ich mache das auch. Dieser erste Beitrag der Dachfarmerin auf mudg.de ist somit ziemlich lang geraten – ich weiß ja, dass man im Internet nicht so gerne lange lesen möchte (das wird zumindest immer so gesagt) ich dagegen freue mich auch mal auf eine längere Geschichte. Dies wird eine längere Geschichte. Um Euch nicht zu erschrecken habe ich manchmal Spoiler eingebaut. Da müsst ihr dann eben mal auf „Zeig mal“ klicken, schon wird noch mehr gezeigt.

Das mit dem Spoiler üben wir gleich mal:
[spoiler title=“Im Märzen der Bauer]

Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt
Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.
Er pflüget den Boden, er egget und sät
und rührt seine Hände früh morgens und spät.

Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn,
sie haben im Haus und im Garten zu tun;
sie graben und rechen und singen ein Lied
und freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.

So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei,
dann erntet der Bauer das duftende Heu;
er mäht das Getreide, dann drischt er es aus:
im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.
(Volksweise des 19. Jahrhunderts aus Nordmähren)

[/spoiler]

Schon mal gehört? Nein? Kein Problem, mitsingen kann man hier: http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-02/volkslieder-folge-27

Klingt doch ganz nett, oder? Man riecht förmlich das frisch Geerntete. Augen schließen und Seele baumeln lassen.London Litter

Ach…

OK – ziemlich unmodern hört sich das schon an. Und, wer will denn heute noch wissen für was so ein Rechen gebraucht wird? Immerhin leben wir im 21. Jahrhundert!

Also – weg mit dem ganzen Plunder.

Ganz anders…

…klingt dies, wenn sich der Kabarettist und Autor Klaus Peter Schreiner (u. A. Münchner Lach- und Schießgesellschaft) des Liedes annimmt.

[spoiler title=“Das liest sich dann so:“]

Im Märzen der Bauer den Traktor anlässt
und spritzet sein Ackerland emsig und fest.
Kein Räuplein, kein Kräutlein dies Gift überlebt,
dem Vöglein im Wald gar das Mäglein sich hebt.

Im Sommer der Bauer die Säcklein entleert
und dünget die Früchte, von denen man zehrt.
Er weiß, wie man dünget, ja aus dem Effeff
von Bayer, von Hoechst und von BASF.

Im Herbst dankt der Bauer der Tiermedizin.
Die Milch wird nicht sauer vor Penecillin.
Die Schweine sind fettarm und lang wie noch nie,
zum Ruhm und zur Ehre der Biochemie.

Im Winter der Bauer sein Scheckbüchlein nimmt,
mit Weib und mit Kind den Mercedes erklimmt.
Er fährt in die Kreisstadt – er ist ja nicht dumm,
und kauft im Reformhaus – er weiß schon, warum. [/spoiler]

http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Peter_Schreiner

Die Bauern sahen und sehen sich diffamiert von Schreiners satirischem Gedicht und stellten ihn bei einem Auftritt in Altötting 2003 zur Rede: „Wir wollen wissen, was ihn bewegt, einen ganzen Berufsstand auf diese Art und Weise zu diffamieren. Das gehört genau durchleuchtet“, so Heindl (Bauernverband Altötting): „Wir werden unseren Unmut kundtun.“ In Zeiten, als BSE und Schweinemastskandal der Landwirtschaft zugesetzt haben, hätten sich die Bauern durch dieses Gedicht noch mehr in die Enge getrieben gefühlt.“

Quelle: http://www.roland-forster.de/downloads/Pnp3_03.pdf

Etwas einsichtiger…

…zeigte sich da doch der Chemiekonzern BASF im Januar diesen Jahres, indem er das Zulassungsverfahren seiner Genkartoffel in Europa stoppte.

Artikel im Handelsblatt

Klingt doch erfreulich, oder nicht?  OK – BASF hat die Gen-Sparte bereits vor einem Jahr komplett in die USA verlagert…

Das betrifft uns in Deutschland aber nicht, wir Deutschen essen im zeitigen Frühjahr ohnehin nur noch die geschmackvollen Wüstenkartoffeln aus Ägypten. So ein Bericht im ZDF Auslandsjournal mit dem verheißungsvollem Titel „Biokartoffel aus der Wüste“. Zum Beitrag auf youtube

Hier erklärt uns Ahmed Shish, Kartoffelhändler in Ägypten:

“Ägyptische Kartoffeln haben bessere Qualität. Das kann man anhand von objektiven Kriterien nachweisen, es gibt ja Qualitätskontrollen! Und letztendlich entscheiden die Verbraucher, welche Kartoffeln besser ist, deutsche oder ägyptische. Danach sind die ägyptischen die besten.”

Und so enden 50 bis 60% der Wendland Biokartoffeln im Schweinetrog; während die Wüstenkartoffel, als feinste Bioware deklariert, in Kühlcontainern per Schiff nach Europa transportiert wird. Auf den ägyptischen Tellern landen teuere importierte Nahrungsmittel, was fast die Hälfte ihres Einkommens verschlingt. 10.000 Tonnen Wüstenkartoffeln haben die Ägypter 2011 nach Deutschland exportiert, das soll aber mehr werden, Ägypten braucht dringend wirtschaftliches Wachstum. So schafft Deutschland Arbeitsplätze in der Wüste. Eine klassische Win-Win-Strategie.

Wenn da diese vertrackte, geografisch bedingte Nebensache nicht wäre: Zur Zeit schöpft die Ägyptische Landwirtschaft 80% des Wassers aus dem Nil ab, der einzigen Wasserquelle des Landes.

Apropos Wasser.

Ist sauberes Trinkwasser ein Menschenrecht, oder etwa eine Handelsware, die wir dem freien Wettbewerb überlassen sollten? Trinkwasser an die Börse? Trinkwasser in die Hände der Märkte? Die seit 17 Jahren in Aktiengesellschaften überführte Wasserindustrie in England wirkt da eher frustrierend. Die dortige Trinkwasserversorgung leidet unter extremem Renditedruck. Fehlende Sanierung der Leitungs- und Kanalinfrastruktur, brüchige Rohre, geringer Wasserdruck, bescheidene Wasserqualität, hohe Preise und somit von sauberem Wasser abgeschnittene Armenviertel sind die Folge. Noch ist die Wasserversorgung in Deutschland überwiegend in der Hand der Kommunen, was den Zugang zu gesundem, sauberem Wasser ermöglicht. Doch jetzt plant die EU, deren vorrangiges Ziel es ist einen Binnenmarkt für Waren und Dienstleistungen zu vollenden, die Liberalisierung der Wasserwirtschaft.

Der Film „Water Makes Money“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz dokumentiert die Übernahme der Trinkwasserversorgung durch die weltgrößten Wasserkonzerne Veolia und Suez. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat allein Veolia es geschafft, nach eigenen Angaben in 450 deutschen Städten die Wasserversorgung zu übernehmen oder an ihr beteiligt zu werden. Bereits in mindestens 69 Ländern auf allen fünf Kontinenten sind Veolia und Suez präsent. Der Film hinterfragt diesen unaufhaltsamen Aufstieg zweier Wassergiganten zur weltweiten Hegemonialmacht einer privatisierten Wasserversorgung.

Die Konsequenz: Am 14.02.2013 beginnt um 13.30 Uhr im Pariser Justizpalast der Prozess des Veolia-Konzerns gegen den Film „Water Makes Money“. Veolia fühlt sich durch den Film verleumdet und hat am 28.09.2010 Klage erhoben. Dieser Prozess muss unter der Beobachtung einer größtmöglichen Öffentlichkeit stattfinden!

Also – Weitersagen – wo und wie auch immer. Arte sendet den Film anlässlich des Prozessbeginns noch einmal am 12. Februar um 22:00 Uhr.

Alles wichtige: http://www.watermakesmoney.com/

Was noch zu tun ist, diese Petition Zeichnen: http://www.right2water.eu/de

Wasser ist Menschenrecht
(Quelle: http://klimaschutz-netz.de/)

Im Januar machte Frank-Markus Barwasser, alias Erwin Pelzig in der Sendung „Neues aus der Anstalt“ auf die Petition aufmerksam. Ansehen lohnt: http://www.youtube.com/watch?v=gBg5AY5rfvQ

Irgendwie erinnert mich diese Anstalt an Zeiten, als Politisches Kabarett im Öffentlich Rechtlichem Fernsehen noch keine Mangelware war. Aber, was ist aus all jenen geworden, deren Sendeformate durch Quatsch-Comedian und Pseudo-Investigativem Geblubber via Will, Jauch und Co. ersetzt wurden?

Ruhestand?
Schluss mit Lustig und Kritisch?
Aus die Maus?

Weit gefehlt – die machen das einzig Vernünftige – sie machen sich und uns unabhängig.

Wo? Bei stoersender.tv

Was das ist? Eine Spielwiese für Störenfriede, die sich nicht abfinden wollen – das ist der Störsender, sagt der Störsender

Zuschauen war gestern. Heute gibt’s Störsehen. Mach mit! Wird gefordert.

Dann mal los, frei nach Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes / außer: Man tut es“ http://stoersender.tv/

stoersender

Ein Gedanke zu „Teil 1: Im Märzen der Bauer oder: Wie es dazu kam…

  1. Wow super seite sehr informativ ….viel spaß noch !!!!

    „Und wüßte ich das Morgen die Welt unter ginge , würde ich heute noch einen Dachgarten anlegen „…Grins etwas abgewandelt aber passt besser zum Thema !!!!

    Lg Dirk

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