Dummheit schützt vor Strafe?

Es mutet zumindest so an. Am 15. Februar 2012 wurde eine angetrunkene 16-Jährige in Worms vergewaltigt. Nicht einfach so und „normal“ wie man es kennt und hinlänglich wegtoleriert, sondern in aller Öffentlichkeit, in einem Parkhaus, mit äußerster Brutalität von zwei oder auch drei Jungs. Die Wogen koch(t)en, aber bei weitem nicht genug. Ein kurzer Aufschrei geht durch die verschlafene Kleinstadt, immerhin. Hinter den vergilbten Vorhängen meint man Worte wie: „Die war ja auch besoffen“ und: „die Täter waren lernbehinderte Migranten“ zu hören. Schäbig.

Auch die Wormser Zeitung kümmert sich indessen um diese Themen. Der Artikel von gestern http://www.wormser-zeitung.de/region/worms/meldungen/12309084.htm beschäftigt sich mit Lernbehinderung und dem Migrationshintergrund. Wie peinlich.

Erst Mal ist es abstoßend und intolerabel eine solch brutale Tat auf etwaige Mängel der kognitiven Leistung abzuwälzen. In einem anderen Vergewaltigungsprozess, der nicht ganz so spektakulär war, wurde das Opfer bei der Vernehmung vor Gericht nach ihrer Einschätzung der Intelligenz des Angeklagten befragt. Auch dieser Täter fiel in die Kategorie „doof“. Glück für ihn, hat ihm laut Urteil einiges an Strafe erspart.

Nicht minder intolerabel sind die klischeebesetzten und einfach nur nervenden Reproduktionen irgendwelcher Stereotypen. Mal wieder die Migranten, mal wieder die Lernbehinderten. Was? Die hatten keinen Job? Aha, denen war eben langweilig. Ohne Nachzudenken fühlen sich manche Menschen bestätigt in ihren diversen irrationalen Ressentiments. Zahlreiche Studien belegen, dass die „Migranten“ nicht krimineller sind als die „Deutschen“ und dazu ist auch nicht jeder „Lernbehinderte“ außer Stande Regeln zu erkennen und zu befolgen. Im Gegenteil.

Die Ablenkung auf soziale Merkmale der jugendlichen Täter (da kommt mir gerade: „Die Jugend von heute“) blendet die Folgen für das Opfer vollständig aus. Dem Volke ist es lieber über Migrantenstatus nachzudenken, als über das Leid der jungen Frau, die betrunken oder nüchtern, ihr Leben ändern muss. Meine Gedanken sind ausschließlich bei der jungen Frau, die sich diese Farce erneut vor Gericht antun muss.

Verdammte Täterjustiz. Welchen Unterschied macht es, ob der Täter Professor oder Hilfsarbeiter ist? Kann die deutsche Justiz es tatsächlich verantworten, dass jemand an Hand intellektueller Fähigkeiten beurteilt wird? Kann der Umgang der Justiz und des Staats mit den Opfern toleriert werden?

Verdammte Täterjustiz.

Hochgradig genervte und erschütterte Grüße (meine Vorhänge sind offen),

Heike

Schreibe einen Kommentar