Bundeswehr an Schulen

Die Bundeswehr darf an Schulen über ihre Arbeit (…) informieren. Hintergründe dazu z.B. unter:

http://www.tdh.de/was-wir-tun/themen-a-z/bundeswehr-an-schulen.html

http://lsvnrw.de/themen/151

http://www.taz.de/!115942/

http://www.gew.de/Bundeswehr.html

uvm.

Gestern Abend war in Darmstadt eine Podiumsdiskussion zum Thema Bundeswehr an Schulen geplant. Auf Grund mangelnden Besucheransturms wurde die Podiumsdiskussion zu einem ‚Hocketse‘. Neben den Veranstaltern und Rednern und deren Assistenten verirren sich ein besorgter Vater, eine empörte Bürgerin und ich in die Runde. Drei Gäste, ein Gastgeber, zwei Rednerinnen und fünf mehr oder weniger interessierte Parteimitglieder der Linken. Alles noch kein Grund zu verzagen, schließlich war die Chance etwas zu lernen und zu erfahren zu dem Zeitpunkt noch nicht eliminiert. Die eher vage Einführung und der Überblick, den die extra angereiste Bundeslinke gibt, schmälern dann die Erwartungshaltung. Der besorgte Vater fragt: „Was kann ich tun, dass mein Sohn nicht am drohenden Besuch der Jugendoffiziere teilnehmen muss?“ Nun, terre des hommes formulierte einen rechtlich einwandfreien Brief, den möge er sich aus dem Internet ausdrucken, ansonsten möge er sich doch bitte im Schulelternbeirat engagieren um dort eine Zivilklausel in die Schulordnung aufnehmen zu lassen. Wirklich gewundert, dass der besorgte Vater vorzeitig die Veranstaltung verlässt, habe ich mich nicht. In dieser überschaubaren Runde sollten eigentlich die „Überzeugten“ sitzen (vor allem, weil die Nicht-Überzeugten erst gar nicht kamen). Trotzdem folgten von den sogenannten Überzeugten immer wieder Todschlagargumente:

1. Der GEW-Abgesandte erklärt, dass obwohl zirka 30% aller LehrerInnen in der GEW organisiert sind, sie durch die stetig wachsende Beanspruchung durch den Schulalltag nicht in der Lage sind, initiativ sich gegen Bundeswehr-Veranstaltungen an Schulen zu engagieren.

2. Der Moderator der Veranstaltung berichtet von seinem Schulabschluss Mitte der 80er Jahre. Damals habe die Bundeswehr einen extatischen Zulauf erlebt. Die Methoden der Bundeswehr haben sich nicht verändert, sondern lediglich die gesellschaftliche Wahrnehmung. Nun, das ist seine Geschichte – es gibt auch andere. Und persönlich freut es mich sehr, dass sich die gesellschaftliche Haltung hinsichtlich gewaltverherrlichender Rekrutierungsmaßnahmen heranwachsender SchülerInnen wandelt.

3. Der Vorschlag der Landeslinken, im Bundestag einen Antrag auf ein Verbot von Bundeswehrveranstaltungen an Schulen zu stellen, wird von der Bundeslinken abgeschmettert, weil den Linken ohnehin kein Gehör geschenkt wird. Die Landeslinke wollte durch ihren Antrag eine Positionierung der übrigen Parteien vor der anstehenden Wahl bezwecken. Nun, liebe Bundeslinke, es stimmt, dass den Linken kein Gehör geschenkt wird; besonders dann, wenn sie ihre Anträge nicht mal formulieren.

4. Innerhalb der Diskussion wurde klar festgehalten, dass auf Grund der rhetorischen Exzellenz der Jugendoffiziere sich eine Auseinandersetzung bzw. Diskussion ob der zwangsläufigen Unterlegenheit nicht lohnt. Bitte? Unsere PolitikerInnen und LehrerInnen trauen sich nicht in Diskurs mit den Jugendoffizieren zu gehen?

5. Wer sind denn eigentlich die Jugendoffiziere? Wer versteckt sich dahinter? Dieser Frage könne nach gemeinsamem Konsens der Anwesenden nicht nachgegangen werden. Eine einfache Recherche in Facebook, XING und Co. ergab exemplarisch, dass sich der Leiter der Abteilung Personalanwerbung und Personalbeschaffung als Jugendoffizier verkauft. Und Jugendoffiziere dürfen nur informieren und nicht werben. Insgesamt gibt es 90 hauptamtliche Jugendoffiziere, der zeitliche Aufwand ist zwar groß, aber nicht unleistbar.

Offensichtlich kann die Politik weder einen organisierten Widerstand leisten, noch einen ordentlich recherchierten und fundierten Ist-Zustand dokumentieren. Den LehrerInnen ist ebenfalls ihre eigene Fürsorgepflicht an ihren SchülerInnen nicht zuzumuten.

Was neben diesen vielen Untätigkeiten meine eigene Frustrationstoleranz überreizt hat, war die fast schon gelangweilte Gleichgültigkeit mit der auf eigene Fragen und Anliegen nicht reagiert wurde. War es mir ein persönliches Anliegen über Bundeswehrveranstaltungen an Förderschulen zu sprechen, über das Andocken des Bundeswehr-Planspiels Pol&IS an andere schulische Aktivitäten ohne Kennzeichnung der Herkunft dieses amüsanten Spiels oder über vernünftige Altersgrenzen, so wurde ich dezidiert enttäuscht. Die empörte Bürgerin schrieb einen Brief an die amtierenden Kultusminister. Nett, aber uninteressant – für die Anwesenden.

Das Thema Bundeswehr an Schulen ist ein netter Aufhänger, gut für das Image der Linken. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Blumentopf ist mit dem Thema nicht zu gewinnen.

A propos gewinnen… Quizfrage des Tages:

Welches Wort passt nicht in die Reihe: Exekutive – Legislative – Initiative – Judikative?

Zu gewinnen gibt es heute einen fünftägigen Ausflug mit den Gebirgsjägern auf Minensuche. Einsendungen bitte an irgendwen.

»Ja. Weil das gar keine Wahl ist«, sagt das Känguru. »Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.«
»Ein Wahlschein?«, frage ich.
»Das ist, als ob du in den Supermarkt gehst und da wählen kannst zwischen der Tütensuppe von Maggi und der Tütensuppe von Knorr, aber in Wirklichkeit ist alles Nestlé. Der Wahlschein suggeriert Freiheit, aber in Wirklichkeit sage ich dir: Alles Kapitalismus, alles Nestlé, alles Hähnchen. Da ich nun aber generell keine Tütensuppe essen will, ist mir die Markenwahl im Supermarkt eben schnurzpiepe.«

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