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Am Sonntag wurde im Kunstverein flaniert, debattiert, eruiert, provoziert. Es ging um das wenig alltagstaugliche Thema der Prostitution. Laura Maria Agustin, eine vermeintliche Soziologin hat ihre eigene Meinung: Irgendwie wird bei dem Thema immer übertrieben, kein Wissenschaftler begründet seine Thesen auf einer soliden wissenschaftlichen Empirie und das Gros der Prostituierten führt ein selbstbestimmtes Leben. Frau Agustin moniert die Abwesenheit männlicher Prostitution im öffentlichen Diskurs, ebenso wie die Viktimisierung der Prostituierten durch den weißen, christlichen Mittelstandsmenschen. Sie betont immer wieder, das Geschlecht sei eine soziale Konstruktion und keineswegs biologisch begründet. Mit dieser Aussage verweist sie auf die Ausführungen von Judith Butler oder auch Simone de Beauvoir. An sich kann man dem nichts entgegen setzen. Unsere Gesellschaft weiß: Mann oder Frau. Schwarz oder Weiß. Hopp oder topp. Und warum weiß das die Gesellschaft? Weil es schon immer so ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in anderen Kulturen andere Zuordnungen und / oder andere Eigenschaften der beiden Geschlechter gibt. In welcher Ecke der Welt es auch immer drei, vierzehn oder zweihundert Geschlechter gibt und warum auch immer jemand mal beschlossen hat das Geschlecht an primären Geschlechtsorganen festzumachen und den Frauen und Männern besondere Talente und Eigenarten zuzuschreiben, Fakt ist die Brille, die eine Gesellschaft trägt. Sich vollständig aus diesen geschlechtlichen Kategorien lösen zu wollen, bedeutet sich zeitgleich aus der Gesellschaft zu lösen. Kaspar Hauser grüßt.
Von der Studie Agustins kann man halten, was man will. Wesentlich ist die Realität, die als Prostituierte, egal ob sie sich freiwillig für den Job entschieden hat oder nicht, knallhart ins Bild rutscht. Soziale Ächtung, Stigmatisierung, Kriminalisierung, die Unterstellung eines Drogenkonsums oder die Herabsetzung auf der sozialen Wendeltreppe sind immer ein Ergebnis der öffentlichen Wahrnehmung. Müsste man nun an dieser Stelle für Toleranz werben und die Prostitution als das älteste Gewerbe der Menschheit verfechten, so fällt es doch schwer sich in diese Rolle hineinzuversetzen. Die Trennung von Körper, Geist und Seele, die es bräuchte sich diesem Job zu nähern gelingt mir nicht. Ein Job wie jeder Andere? Nicht für mich.
Agustin kämpft mit den ihr zur Verfügung stehenden Waffen mit einer nicht minder großen Radikalität, die sie den Stigmatisierenden unterstellt. Im Grunde ganz einfach, muss sich Jede selbst über ihr eigenes Verhältnis zu ihrem Körper im Klaren sein und bei einer Entscheidung für die Prostitution Glück haben.
In meiner Auseinandersetzung mit dieser Studie begann ich an der Existenz dieser Frau Agustin zu zweifeln. Eine Wissenschaftlerin ohne Adresse, ohne CV und ohne Lebensgeschichte. In vielen Artikeln divergieren die Darstellungen, mal lebt sie in Madrid, mal in Miami, London, Norwegen, Schweden,… Sie hatte eine Gastprofessur an einer Universität auf deren Homepage man sie nicht findet. Positiv interpretiert könnte man behaupten, dass sie als Autorin eines solchen Werks Selbstschutz betreibt in dem sie sich anonymisiert. Möglich aber auch, dass ein/e Andere/r unter einem Pseudonym publiziert oder gar eine Agentur / Lobby dahintersteckt. Ich bin mir an Hand meiner Recherchen nicht sicher, dass es diese Frau gibt. Ebenso unsicher bin ich, was diese Erkenntnis bedeutet.

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