Aus Schaden wird man klug

„Das musst Du Dir angucken!“ Reißt mich Bernd aus meinem geliebten Morgenritual des Kaffeekochens. „Was’n los, bin noch beim Milchschäumen und hab‘ noch keinen Kaffee getrunken“, murmele ich halblaut vor mich hin. „Das Gemüse – lauter Löcher in den Blättern und überall krabbeln grüne Raupen“ ruft Bernd vom Dach.

„Nein! Mist! ich Depp“ lande ich, laut schimpfend neben Bernd. Und, tatsächlich die Blätter von Wirsing, Spitzkohl und Blumenkohl sehen verboten aus. Dabei war ich erst gestern mit Allem glücklich und zufrieden. OK – ich gebe zu, dass ich hin und wieder daran dachte, dass es Zeit wird das Gemüse mit dem bereits gekauftem Netz zu schützen.

Schutznetz
Schutznetz

Aber ansehnlicher ist es ohne, schob ich diese Maßnahme vor mir her, so hat man vom Küchenfenster einen schönen grünen Blick. „Wie blöd kann man denn sein?“ Wo noch Bernds Mutter kürzlich bemerkte, dass es sich bei diesen anmutigen schwarz getupften, weißen Schmetterlingen um Kohlweißlinge handele.
Wie fatal sich der Fortpflanzungswille dieser liebreizenden Tierchen auswirkt, war mir zudem ein Begriff. „In den Monaten Mai bis Juni werden von den Weibchen rund 100 Eier an den Blattunterseiten der Wirtspflanzen in Gruppen abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen nach rund 14 Tagen die gelblich-grünen und schwarz gefleckten Raupen. Die jungen Raupen fressen gesellig in Gruppen während sich ältere Exemplare verteilen.“ Hatte ich schon Anfang des Jahres bei Wikipedia in Erfahrung gebracht. Und das Schutznetz wäre sicherlich lieber rechtzeitig seiner Bestimmung gerecht geworden.

Kohlweißling
Kohlweißling

Hätte, hätte – Fahrradkette, bemerkte zu ähnlichem Fauxpas schon ein bekannter deutscher Politiker. Also, hilft hier kein Jammern und kein Klagen, sondern nur noch die Noternte und ein gründliches Aufsammeln der Raupen aus den Beeten. Will heißen – alles Gemüse abschneiden, gründlich waschen, blanchieren und, da erstmal der Salat gefuttert werden will, ab in die Kühltruhe.

Mangold
Mangold
Blumenkohl und Spitzkohl
Blumenkohl und Spitzkohl

 

Wirsing und Spitzkohl
Wirsing und Spitzkohl
Die Guten in's Töpfchen
Die Guten in’s Töpfchen

 

Aus Schaden klug gewordene Dachfarmerin
Aus Schaden klug gewordene Dachfarmerin

Erst am späten Nachmittag, finden wir uns auf dem Dach wieder, um das Anbringen des Schutznetzes zu planen. Die Bedingung: Es soll alles luftig abgedeckt sein und das Netz problemlos zur Seite geschlagen werden um weiterhin ernten, gießen, mulchen und düngen zu können. Dabei konnten wir einen weiteren Dieb in Augenschein nehmen. Es ist kaum zu glauben, machen sich doch einige Wespen an unserem Kopfsalat zu schaffen, schneiden sich riesige Stücke aus dem saftigen Grün und erheben sich schwer tragend in die Lüfte. Es wird höchste Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.

Eure Farmerin mit Dachschaden

Ein Gedanke zu „Aus Schaden wird man klug

  1. Hallo Carmen,

    alles Gute zum Geburtstag!
    Ich hab das Datum gesehen, mal im www geguckt – da findet man Dich oft, das ist gut.
    Schöne Sachen machst, auch richtig Garten. Und: Schön den Blumenkohl zubinden, wenn welchen hast.

    Gruß
    Rainer

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