2011 und der (Un-)Sinn eines Blogs

Vorgestern hörte ich einen Beitrag im Radio mit dem Motto „Beschleunigung 2011.“ Dieses Jahr regnete es Kernschmelzen, Krisen, Kriege, Stresstests, Tode, Revolutionen und Skandale. Kaum einer hatte die Chance auf Sendung zu bleiben.

Keiner nahm sich die Zeit innezuhalten um dem Event mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu begegnen. Im Gegenteil, wer sich allzu lange an einem Thema aufhielt wurde ausgelacht – wie antiquiert. Wer nach Fukushima auf die Straße ging, war hysterisch. Und wer sich immer noch gegen Stuttgart 21 wehrt ist ein Narr. Ein undemokratischer sogar, jawohl, denn da gab es doch eine Volksabstimmung. Bild legitimiert Gutti, Klein-Christian hat nur gespielt, Sigmar ist der neue Dan Brown und Angela freut sich über die Tötung von Obama – ähhh – Tschuldigung, Osama, meinte ich. Kommt da einer mit? Was ist eigentlich in Ägypten los? Syrien? Libyen? Noch jemand online? Die ersten „Welcome back“ Partys für die DM werden gefeiert, Putin kommt zurück und Gottschalk geht.

Mein eigenes Jahr war ziemlich gut, wenn auch zumindest zum Großteil nicht minder rasant. Ich erreichte vieles, hatte Visionen, Träume und Ziele. Die meisten sind geplatzt, aber alle waren gut. Ich integrierte mich in die mir angedachte Position innerhalb der Generation Praktikum, ärgerte mich über dörfliche Großstadtallüren, Profilneurosen, Neurosen und Neurotiker im Allgemeinen, über Ausbeutung, Unchancen und Fehlinformationen. Freundschaften kamen und gingen – es ist nicht aller Tage Abend. Und ich habe jetzt einen Blog; ich freu mich drüber. Manche lachen den Drang der individuellen Reproduktionsflut aus. Ich nicht, hier rede ich aus. Und weil ich so unheimlich demokratisch bin überlasse ich es auch jedem Einzelnen, ob er meine Worte lesen möchte.

Ich wünsche mir eine kurzfristige Vollsperrung auf der Autobahn, eine Chance innezuhalten um sich und die Welt anzuschauen.

Einen guten Start ins neue Jahr!

Eure Heike

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