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Der Hashtag des Tages

Wie sieht eigentlich Apokalypse aus?

Nun, das weiß ja niemand so richtig, denn das mit der Apokalypse gab’s ja noch nie. Wir können es uns nicht vorstellen was es bedeutet wenn die Welt untergeht. Wenn aus allen Ritzen der Erde Flammen züngeln, schwarze Rauchwolken das Licht der Sonne verdecken, Hitze und Kälte aufeinander prallen und keine Hoffnung mehr besteht. Das Ende der Welt sieht für jeden anders aus. Doch zum Glück sind wir da weit entfernt von. Ganz weit entfernt. Ganz weit.

Heute herrschen Solidarität und Nächstenliebe. Wir unterstützen uns gegenseitig in unserem gemeinsamen Streben nach mehr Weltfrieden. Zehntausende demonstrieren dort wo es noch nicht jedem bewusst ist, dass nur die Offenheit und Liebe zählt. Wir singen und schreien an gegen Ungerechtigkeit und Hartherzigkeit und Tausende singen und schreien mit.

Unsere Türen stehen offen und die Freude über das Kommende und die Bereicherung durch das Neue klingt hell wie eine Sinfonie in unseren Ohren. Auch wenn sich der Januar dem Ende zuneigt und die winterlichen Winde sich schon bald ersterbend dem Lenz ergeben werden, auch wenn es noch kalt ist draußen, so ist es doch ein stetig wachsender Lichtstreif der Hoffnung, dass wir noch enger zusammen stehen und uns und anderen helfen, die Welt noch besser zu machen. Jeden Tag. Auch heute am 27. Januar 2015. In Dresden, in Facebook, in Twitter, in Ceuta und Melilla, in Berlin und Athen, in Moskau und Kiew, in Kabul und Langley, in Hoyerswerda und Mölln, überall auf der Welt herrscht Einigkeit:

Der heutige Hashtag lautet: #Auschwitz

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Schwarzer Rettich lässt Weißen vor Neid erblassen

„Was ist das denn, kann man das essen?“

Runzelt Bernds Stirn, beim Anblick meiner heutigen Ernte. „Das will ich doch hoffen, gibt’s nämlich heute Abend mit frisch gebackenem Brot.“ Antworte ich selbstbewusst, während mein Blick auf die restliche Ernte fällt, die im Notfall als Ersatz dienen kann. Schwarzer, runder Rettich – eine fast vergessene alte Sorte mit feiner Schärfe – wird in der japanischen Küche, in sehr dünne Scheiben geschnitten, als Beilage zu Sushi gereicht. Schwarzer Rettich war schon den Ägyptern 2500 v. Chr. bekannt. Bei uns war er bis Mitte des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Verschwand dann jedoch fast vollständig vom Markt.

weitere Ernte

In den letzten Jahren erfreut er sich neuer Beliebtheit, da viele „alte Gemüse“ wieder als Raritäten entdeckt werden. Unter der Haut ist der schwarze Rettich weiß. Wir haben ihn an den wurzeligen Stellen geschält, in dünne Scheiben geschnitten, gepfeffert und einen Teil nicht gesalzen. Das Ganze auf Pflücksalat mit Kräutervinaigrette. Dazu gab es noch ofenwarmes Sauerteigbrot. Da der Rettich durch das Salzen seine feine Schärfe verliert, werden wir beim nächsten Mal ganz auf das Salz verzichten. Was den weißen Bruder betrifft: Der kommt mir nicht mehr ins Haus.

Schwarzer Rettich

Eure Dachfarmerin

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Dachfarm goes public

Urban Gardening in Worms – Carmen Kästner und Bernd Ackermann züchten erfolgreich Gemüse, titelt die Wormser Zeitung. Zugegeben – etwas peinlich war mir die Sache schon, denn was ist schon besonderes am Gemüseanbau im eigenen Garten? Unzählige Schrebergartenkolonien gibt es hierzulande und wohl kaum eine Zeitung fühlt sich berufen diesen einen ganzen Artikel zu widmen. Und doch scheint es da etwas zu geben, was den nötigen Anreiz bietet. Altbewährtes mit neuem Namen sagen die Einen, sinnvolle Stadtbegrünung schwärmen die Anderen. Es ist das Urbane, was die Gemüter bewegt. Und so kam es, dass eine triste graue Dachfläche und ein paar Europaletten den Weg in die Öffentlichkeit fanden:

14.08.2013 – WORMS
Von Ulrike Schäfer
Es ist nicht so, dass Carmen Kästner und Bernd Ackermann keinen Garten haben. Im Gegenteil, sie leben in einem grünen Paradies: Bäume und Blumen, ein raunendes Bächlein, einen Freisitz zum Klönen, ein Zelt zum Ruhen und überall Töpfe, in denen Kräuter wachsen, Kräuter, die Otto Normalverbraucher nicht einmal dem Namen nach kennt.

Beete in Kisten
Doch es gibt in diesem Garten auch ein externes Gebäude mit Flachdach. Irgendwie fad, irgendwie nackt, fanden die beiden. Aber dieses Dach einfach begrünen mit Fetthenne oder anderen pflegeleichten Flachwurzeln, das wollten sie nicht, und so setzte bei Carmen Kästner ein fundamentaler Denkprozess in Gang. Nicht der erste übrigens. „Ich bin projektaffin“, sagt sie lachend. Das Ende vom Lied war ein Dachgarten der ganz besonderen Art, genauer gesagt eine Dachfarm, die unter dem Motto „Sorge dich nicht! Ernte!“ nutzbar gemacht wurde.
Als Beete wurden Euro-Paletten (acht mal 1,20) zu Kisten umgebaut. Was aber hält ein Flachdach in dieser Größe aus? Das Paar berechnete die Belastbarkeit der Fläche, mutete ihr aber dann nur die Hälfte an Gewicht zu, „denn wenn es regnet, wird die Erde ja sehr viel schwerer“, meint Carmen Kästner. Unterdessen hatte sie sich in dicken Katalogen über alle Sorten von Saatgut schlaugemacht und sich ein erstes Sortiment bestellt.

Salatköpfe um die Ohren geschossen
Die kleinen Sämlinge wurden in Anzuchtkistchen auf den Fensterbänken des Hauses vorgezogen. Weil die Sonnenstrahlen spärlich waren, sahen die Pflänzchen noch ziemlich erbarmungswürdig aus, als sie im April ins Freie kamen. Doch siehe da: Eingewurzelt in satter Komposterde, liebevoll gegossen und gestärkt mit selbst angesetztem Komposttee, entwickelten sie sich unerwartet prächtig. „Im ersten Jahr, 2012, sind uns die Salatköpfe nur so um die Ohren geschossen“, erzählt Carmen Kästner grinsend. Als die ganze Nachbarschaft versorgt war, probierte sie ein Salatrezept ums andere aus. Sogar Salatauflauf machte sie, doch da gab’s schließlich Proteste.

Diese Erfahrungen spornten die Gärtnerin, die großmutterseits erblich belastet ist, zu wahren Hochleistungen an. Sie studierte, welche Gemüse sich miteinander vertragen und welche nicht, welche Kombinationen sinnvoll sind und wie man die Pflanzenfolge so reguliert, dass man den ganzen Sommer über ernten kann.

Kartoffeln aus dem Turm
Das Angebot auf der Dachfarm, die nur über eine Leiter etwas halsbrecherisch zu erreichen ist, ist reichhaltig: Pflücksalate, Batavia-Salate, Asia-Sorten, die leicht pfeffrig schmecken, wilde Rauke, Spinat, Mangold, Spitzkohl, Blumenkohl, Lauch, Radieschen. Und Gurken und Tomaten? „Die nicht“, sagt Carmen, „denn das kriegen wir von den Nachbarn.“ Und Kartoffeln. „Die ja, aber sie werden nicht auf dem Dach gezüchtet, sondern im Kartoffelturm.“ Er steht wie eine Art Litfaßsäule, ummantelt mit einer Rohrmatte, in einer Gartenecke und macht übers Jahr mit Hilfe von Kompost, Luft und Sonne aus zwei Kilogramm Kartoffeln 40 Kilogramm.

Hinter all dem steht natürlich nicht nur die bloße Lust am Experimentieren. Schon lange leben Carmen Kästner und Bernd Ackermann ökologiebewusst, nutzen alle Möglichkeiten der nachhaltigen Selbstversorgung. „Wir sind relativ autark“, sagt Bernd. Begriffe wie Permakultur und Urban Gardening schwirren durch die Luft. „Öffentliches Gärtnern ist ein ganz aktuelles Thema, auch unter dem sozialen Aspekt der Begegnung, des Austauschs, der Verantwortung für ein gemeinsames Projekt“, weiß Carmen. „Man bekommt dann auch einen ganz anderen Bezug zu Lebensmitteln. Es wäre toll, mal alle Einzelbewegungen, die es in Worms gibt, an einen Tisch zu bekommen“. Vielleicht macht Bernd zu diesem Anlass dann auch seine gefüllten Crêperöllchen mit grünem Salat!

Foto von Photoagenten Alessandro Balzarin

PS: Was Niemand wissen soll: Die Schutznetze haben wir für den Fototermin entfernt.

Eure Dachfarmerin

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Ich will ein Garten sein

Ich will ein Garten sein, an dessen Brunnen
die vielen Träume neue Blumen brächen,
die einen abgesondert und versonnen,
und die geeint in schweigsamen Gesprächen.

Und wo sie schreiten, über ihren Häuptern
will ich mit Worten wie mit Wipfeln rauschen,
und wo sie ruhen, will ich den Betäubten
mit meinem Schweigen in den Schlummer lauschen.
(Rainer Maria Rilke)

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Verschleierte Beete zeigen Kohlweißling die kalte Schulter

„Non est ad astra mollis e terris via“. „Es ist kein weicher Weg von der Erde zu den Sternen“, heißt es in der Tragödie „Hercules furens“ von Seneca. Will heißen: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.
So auch hier. Viel Zeit der Trauer um die entgangenen Ernteerfolge konnten wir uns nicht erlauben. Galt es doch, die Nachzucht zu päppeln um die abgeernteten Beete so rasch als möglich mit neuem Grün zu beglücken. Über die Anzahl der Raupen, die sich in den abgeernteten Beeten fanden, hüllt sich der Mantel des Schweigens. Das Anbringen der Netze, vor der Neubepflanzung (nach 14 Tagen) erwies sich als außerordentlich nützlich, fand sich doch die eine oder andere übersehene Raupe in Gefangenschaft wieder. Morituri te salutant!
An den Anblick der „Schleierbeete“ werde ich mich hoffentlich gewöhnen und glücklicherweise mussten nur die mit Kohl Bestückten verhüllt werden.

Verschleierte Beete
Verschleierte Beete

Die neugezogenen Pflänzchen Grünkohl, Wirsing, Porree und Kohlrübe finden neben Winterpostelein, Zuckerhut, Chinakohl und Endivie ihren Platz in den Beeten. Junge Komposterde sorgt für rasches Wachstum.

Augustpflänzchen
Augustpflänzchen

Die zweite Generation Kopfsalat, der den verdienten Namen „Wunder von Stuttgart“ trägt, darf noch einpaar Tage wachsen. Der schwarze Rettich zeigt schon seine Rundungen und der Mangold will mal wieder unters Messer. Dank der wöchentlichen Kompostteegaben wird er uns bis in den späten Herbst hinein versorgen.

Wunder von Stuttgart u Rettich
Wunder von Stuttgart u Rettich

Mangold und Pflücksalat
Mangold und Pflücksalat

Kohlrabi(
Kohlrabi und Lauch

 

Die kleine Dachfarm lässt sich von einpaar Raupen nicht beeindrucken und die Dachfarmerin erst Recht nicht. Und wenn der Blick allzu schleierhaft wird, bietet der Garten im Erdgeschoss noch reichlich Unverhülltes.
Eure, bisweilen unverhüllte Dachfarmerin

Chicoree
Chicoree

Grüne Tomaten
Grüne Tomaten

Paprika
Paprika

 

Kräutertöpfe
Kräutertöpfe

Kräutertöpfe
Kräutertöpfe

Basilikum
Basilikum

 

 

 

 

 

 

 

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Aus Schaden wird man klug

„Das musst Du Dir angucken!“ Reißt mich Bernd aus meinem geliebten Morgenritual des Kaffeekochens. „Was’n los, bin noch beim Milchschäumen und hab‘ noch keinen Kaffee getrunken“, murmele ich halblaut vor mich hin. „Das Gemüse – lauter Löcher in den Blättern und überall krabbeln grüne Raupen“ ruft Bernd vom Dach.

„Nein! Mist! ich Depp“ lande ich, laut schimpfend neben Bernd. Und, tatsächlich die Blätter von Wirsing, Spitzkohl und Blumenkohl sehen verboten aus. Dabei war ich erst gestern mit Allem glücklich und zufrieden. OK – ich gebe zu, dass ich hin und wieder daran dachte, dass es Zeit wird das Gemüse mit dem bereits gekauftem Netz zu schützen.

Schutznetz
Schutznetz

Aber ansehnlicher ist es ohne, schob ich diese Maßnahme vor mir her, so hat man vom Küchenfenster einen schönen grünen Blick. „Wie blöd kann man denn sein?“ Wo noch Bernds Mutter kürzlich bemerkte, dass es sich bei diesen anmutigen schwarz getupften, weißen Schmetterlingen um Kohlweißlinge handele.
Wie fatal sich der Fortpflanzungswille dieser liebreizenden Tierchen auswirkt, war mir zudem ein Begriff. „In den Monaten Mai bis Juni werden von den Weibchen rund 100 Eier an den Blattunterseiten der Wirtspflanzen in Gruppen abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen nach rund 14 Tagen die gelblich-grünen und schwarz gefleckten Raupen. Die jungen Raupen fressen gesellig in Gruppen während sich ältere Exemplare verteilen.“ Hatte ich schon Anfang des Jahres bei Wikipedia in Erfahrung gebracht. Und das Schutznetz wäre sicherlich lieber rechtzeitig seiner Bestimmung gerecht geworden.

Kohlweißling
Kohlweißling

Hätte, hätte – Fahrradkette, bemerkte zu ähnlichem Fauxpas schon ein bekannter deutscher Politiker. Also, hilft hier kein Jammern und kein Klagen, sondern nur noch die Noternte und ein gründliches Aufsammeln der Raupen aus den Beeten. Will heißen – alles Gemüse abschneiden, gründlich waschen, blanchieren und, da erstmal der Salat gefuttert werden will, ab in die Kühltruhe.

Mangold
Mangold

Blumenkohl und Spitzkohl
Blumenkohl und Spitzkohl

 

Wirsing und Spitzkohl
Wirsing und Spitzkohl

Die Guten in's Töpfchen
Die Guten in’s Töpfchen

 

Aus Schaden klug gewordene Dachfarmerin
Aus Schaden klug gewordene Dachfarmerin

Erst am späten Nachmittag, finden wir uns auf dem Dach wieder, um das Anbringen des Schutznetzes zu planen. Die Bedingung: Es soll alles luftig abgedeckt sein und das Netz problemlos zur Seite geschlagen werden um weiterhin ernten, gießen, mulchen und düngen zu können. Dabei konnten wir einen weiteren Dieb in Augenschein nehmen. Es ist kaum zu glauben, machen sich doch einige Wespen an unserem Kopfsalat zu schaffen, schneiden sich riesige Stücke aus dem saftigen Grün und erheben sich schwer tragend in die Lüfte. Es wird höchste Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.

Eure Farmerin mit Dachschaden

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Frisch gesät ist halb gegessen – jetzt die Ernte für Herbst und Winter sichern

Und täglich grüßt das Murmeltier. Der morgendliche Gang zum Dach ist mittlerweile längst Routine geworden. Gie0en, natürlich immer dicht am Boden, wöchentliches düngen, mit Kräuterjauche und Komposttee versteht sich und – das Wichtigste überhaupt –  Ernten. Das ist der Rhythmus, wo man mit muss. Die Pflücksalate der Aprilpflanzung gehen nun so langsam zur Neige, aber durch die regelmäßige Nachsaat ist für Nachschub bestens gesorgt. Die wilde Rauke blüht und so lässt sich die allabendlich kredenzte Salatplatte mit gelben Tupfen aufhübschen. Hie und da noch eine blaue Borretschblüte und jedes Gourmetrestaurant kann abstinken. Und – natürlich Kräuter satt! Die zweite Generation Radieschen wuchsen etwas mickriger als die erste, denen war es wohl zu heiß. Vom Mangold ernte ich immer nur die gro0en Blätter und so wird er uns bis in den Spätherbst versorgen.  Blumenkohl, Spitzkohl und Wirsing wachsen prächtig und werden wohl schon im August dem Messer anheim fallen.

Wilde Rauke und Pflücksalat Red sails
Wilde Rauke und Pflücksalat Red sails

Jetzt ist es an der Zeit die Gemüse- und Salatpflanzen für die Herbst- und Winterernte zu züchten. Da es zurzeit sehr heiß ist, bewahre ich die Frischgesäten in den nächsten Tagen in unserer kühleren Vorratskammer auf. Erst wenn sie sachtes Grün an den Tag legen, dürfen sie raus in die Sonne. Auch diesmal habe ich jedem Samenkorn ein eigenes Töpfchen gegönnt, somit erspare ich mir das pikieren und kann, wenn die Pflänzchen groß genug sind, diese mit dem Erdtöpfchen direkt ins Beet einbuddeln.

Saattöpfchen
Saattöpfchen

Für Vergessliche habe ich hier noch mal die Beetplanung eingefügt. Vorsichtshalber habe ich immer zwei Samen mehr gelegt, falls das Keimen, wegen der Hitze nicht so gut klappt. Was beim Säen zu beachten ist, brauche ich hier sicherlich nicht mehr zu erwähnen, seid ihr doch Alle mittlerweile Profigärtner*innen geworden.

Was den Kartoffelturm betrifft, würde ich mir einen Röntgenblick wünschen. Dann könnte ich die, hoffentlich reichlich vorhandenen, kleinen Knöllchen im Inneren des Turms ausmachen. So muss ich mich mit dem Begießen des üppig wachsenden Grüns begnügen und hoffen, dass sich im Turm ein bombastischer Vervielfältigungsprozess eingestellt hat. Na, ja der Herbst bringt es an den Tag. Wobei – meine liebste Jahreszeit ist der Frühling, der Sommer kann mir nicht lang genug sein; doch der Herbst mahnt, trotz seiner bunten Blätter und geheimnisvoller Nebelschwaden den Winter an und dieser ist mir entschieden zu lange kalt und kahl.

Aber jetzt ist Sommer und den werde ich in vollen Zügen genießen – Eure Dachfarmerin

Kartoffelturm und Mocka
Kartoffelturm und Mocka

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Dachgarten

Hitzezeit – Mulchzeit

Jetzt ist es soweit: Alle Regentonnen sind leer und die Beete sehnen sich nach Wasser und Sonnenschutz. Gut, dass ich im Frühjahr Vorsoge getroffen und den Rasenschnitt in getrockneter Form aufbewahrt habe.
Wobei – auf einen Teil des Heus musste ich verzichten, hatte sich doch Paula daraus einen kleinen Heuschober gebaut, in dem es sich vortrefflich dösen lässt. Zwischenzeitlich hat sich Mecki das Teil unter die Krallen gerissen und ein von mir eiligst bereitgestellter Ersatzheuschober wird gnadenlos ignoriert. Ja, so sind sie meine Lieben, ich reiß‘ mir den Ar***, na ihr wisst schon, auf und die Herzchen zeigen mir die Mittelkralle.

Heuschober
Heuschober, Paula schmachtet

Doch nun zu Ernsterem – Mulchen (Nein, liebe Rechtschreibprüfung ich meinte weder Maulchen, noch Muglchen und Mulichen oder Muldchen schon gar nicht).

Als Mulchen (mnd. mul, „zerfallende Erde, Staub“; siehe Mull) wird in Gartenbau und Landwirtschaft das klein- oder großflächige Bedecken des Bodens mit unverrotteten organischen Materialien (Mulch) bezeichnet. Erklärt Wikipedia. Aber davon hat Bill Gates sicherlich noch nix gehört steht er doch eher auf Monsanto und Konsorten.

Nun gut, bzw. nicht gut. Mit einem selbstgebastelten Lied „Kill Bill“ auf den Lippen und einer Kiste voller Heu erklimme ich das Dach um die Beete, wie zurzeit jeden Morgen, mit Wasser (leider aus dem Wasserhahn) zu versorgen. Das Heu schichte ich um die Gemüsepflanzen etwas dichter auf als an den Salatpflanzen. Jetzt bleibt mir nur noch zu hoffen, dass Paula nicht hier ihren neuen Heuschober verortet.
Ach ja – geerntet habe ich neben reichlich Salat auch mal wieder Mangold und Radieschen. Dem Spinat ist es jetzt viel zu heiß, der kommt erst wieder im Spätjahr ins Beet. Die Nachbarn haben sich über den Salatsegen sehr gefreut. Deren Gewächshaustomaten sind schon viel größer als unsere,  unten im Garten in Kübeln gezogene. Aber immerhin hängen schon viele Blüten dran und das ohne Gewächshaus. Geduld ist gefordert und im Notfall wird die Wartezeit mit Nachbars Tomaten verkürzt. Danke an Magda und Andreas.

Jetzt mulcht mal schön und genießt diesen herrlichen Sommer. Bis bald – Eure Dachfarmerin.

gemulchtes Beet
gemulchtes Beet

gemulchtes Beet
gemulchtes Beet

gemulchtes Beet
gemulchtes Beet

Tomate, wächst noch
Tomate, wächst noch

 

 

 

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Johanninüsse

Endlich ist es so weit, seit nunmehr elf Tagen schwimmen die Walnüsse in Wasser. Zwei- bis dreimal täglich entfernten wir eine immer dunkler werdende Brühe um sie durch frisches Nass zu ersetzen. Die Nüsse sehen jetzt fast schwarz aus und fühlen sich recht weich an.

gewässerte schwarze Nüsse
gewässerte schwarze Nüsse

Um auch den letzten Rest an Gerbsäure zu entfernen, haben wir die Nüsse drei mal mit  heißem Wasser gewaschen und zwischenzeitlich das Zuckerwasser, nebst Nelken und Zimtstange erhitzt. Das Kochen der Flüssigkeit bis sie klar ist und Fäden zieht erweist sich als ein Geduldsspiel und nahm fast zwei Stunden Zeit in Anspruch. Dabei kann man den Topf nicht aus den Augen lassen, da nur durch ständiges Umrühren das Überlaufen der Zuckerlösung verhindert wird. Der Sirup wird dabei immer viskoser und man muss immer wieder die Temperatur regeln, sonst könnte der ganze Spaß mit einer unerwünschten Einbrenne enden. Nach Zugabe der mit Wasser vollgesaugten Nüsse, dauerte es noch eine weitere Stunde, bis der Sirup wieder dickflüssig wurde.
Den Silberlöffel, der zum Ausschöpfen der Nüsse gebraucht wird, habe ich vorher mit Salzwasser und einem Stück Alufolie gereinigt. Silberlöffel in eine Schüssel legen, dazu einen Teelöffel Speisesalz und ein paar Schnipsel Alufolie. Anschließend mit heißem Wasser übergießen. Wie das Ganze genau funktioniert, könnt ihr hier nachlesen:
silber-putzen-ohne-aufwand
Das nochmalige Einkochen des Sirups, hat schließlich eine weitere Stunde in Anspruch genommen und dann konnten die Gläser endgültig befüllt und verschlossen werden (Nelken und Zimtstange vorher aus dem Sirup fischen). Die kostbare Ausbeute von 10 Gläsern stehen jetzt im Vorratsraum und harren der guten Dinge die Weile haben wollen.
Also – bis Weihnachten bleiben sie auf jeden Fall ungeöffnet, ganz sicher. Na ja, vielleicht kann man auch schon mal im Oktober ein kleines Pröbchen nehmen.

Die Salaternte nimmt kein Ende, somit gibt es täglich eine bunte Schale Knackfrisches.

Eure geduldige Dachfarmerin

Sirup einkochen
Sirup einkochen

Nusssirup
Nusssirup

Mampf
Mampf

 

 

 

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Politik

Obama: vom Hoffnungsträger des Friedens zum Sargträger des Friedens

 

Quelle: Wikipedia.de
Quelle: Wikipedia.de

Was ist mit Barack Obama los? Der mit dem Friedensnobelpreis ausgestattete letzte verbliebene Supermacht-Präsident, kommt mächtig vom Weg ab. Doch darf man rückblickend durchaus fragen, ob er jemals auf einem richtigen Weg war. Allzu gerne hätten wir seine magere Bilanz der ersten vier Amtsjahre mit den Betonblockaden der reaktionären republikanischen Opposition begründet. Wir hätten es gerne gesehen, yes we did, dass aus der letzten Supermacht der letzte Superheld seine mächtigen Schwingen über uns breitet und uns zuruft: Habt keine Angst, denn seht her, ich bringe Heil. Ich bringe Frieden. Und wie naiv fühlen wir uns jetzt, wir verblendeten Trottel? Beschämt resümieren wir die letzten Jahre US-amerikanischen Invasionsstrebens und wachen aus einer drogenschwangeren Trance auf, die unsere Sinne vernebelt hat und die unsere sonst kritische Haltung zu US-amerikanischer Politik so arg unterdrückte. Doch wie konnte das geschehen? Wie konnten wir so lange hinschauen und trotzdem nicht erkennen was mit unseren „nordatlantischen Partnern“ geschehen ist? Sie sind radikale Kriegsbefürworter, unterdrücken Menschenrechte, töten nahezu überall mutmaßliche Feinde, sichern sich nach Belieben global Ressourcen, beuten sogar ihre heimatliche Erde auf Teufel komm raus aus und haben darüber hinaus einen ungeheuerlichen Durst auf Weltmacht.

 

Derzeit reißen die verstörenden Nachrichten aus den USA nicht ab. In einer langen Kette von düsteren Meldungen sind die jüngsten Botschaften an Eindeutigkeit nicht zu überbieten. Ein Techniker einer Regierungsorganisation enthüllt Informationen deren Enthüllung alles andere als nötig waren. (Wer hat denn vor Prismleaks geglaubt, dass die Regierungen dieser Welt keinen Zugriff auf die digitalen Netzwerke hat? Eine Nachricht von Wert wäre, wenn eine Liste der Staaten veröffentlicht würde, die keine systematische Analyse der digitalen Netze vornehmen. Das wäre gewiss eine sehr kurze Liste.) Doch auch wenn Prismleaks auch nur eine Sensation an der untersten Auslöseschwelle ist, so ist das Verhalten der US-Administration durchaus jeder Rede wert. Nicht nur die US-Fatwa auf den Enthüller, auch die unverhohlenen Drohungen Richtung China, Russland, Ecuador und jeden der Snowden auch nur über sein Land fliegen lässt, sind besorgniserregend. Ägypten wird zurecht wegen der sogenannten Fatwa auf Hamed Abdel-Samad gegeißelt, die USA machen nichts anderes und alle schweigen. Gewiss will die US-Justiz erst noch einiges aus Mr. Snowden an Information waterboarden, doch seine anschließende Zukunft sieht, wie man vermuten kann, nicht sehr rosig aus. Geheimnisverräter werden gnadenlos gejagt. Mit allen Mitteln. Mit allen?

 

Der letzte Schrei US-amerikanischer Exekutivmaßnahmen sind natürlich (bewaffnete) Drohnen. Mr. Snowden kennt sich hoffentlich damit aus. Falls nicht sollte man ihm Bescheid geben, dass er sich umgehend ein Bild davon macht, wie die US-Armee, die CIA und bestimmt auch bald (oder schon) das FBI Drohnen gegen missliebige Zeitgenossen einsetzt. Und das Interessante beim Einsatz der Drohnen ist, dass zunehmend sogenannte „signature strikes“ durchgeführt werden (*). Dabei greifen die unbemannten Kriegsmännerbienen auch Personen an, die nicht identifiziert wurden, jedoch gemäß eines programmierten Verhaltensmusters agieren. Dass solche Verhaltensmusteranalysen auch mal schief gehen, zeigen bereits einige Fälle. Es gibt aber auch „personality strikes“, die gezielt unerwünschte Personen zum Ziel haben. So auch der Fall von Anwar al-Awlaki. Ein US-Bürger der für al Qaida Anwerbungen gemacht hat. Er wurde mit einer Drohne gezielt getötet. Und weil das so hübsch geklappt hat, hat man auch gleich zwei Wochen später seinen 16-jährigen (sic!) Sohn zum Ziel auserkoren und erfolgreich eliminiert. Ob man versucht hat ihn festzunehmen und vor ein Gericht zu stellen konnte ich nicht herausfinden. In Deutschland erinnern wir uns noch gut an Oberst Klein (Sorry General Klein natürlich). Hätte er zu jener Zeit schon so umfangreich wie heute auf Drohnen zurück greifen können, hätte er wohl nicht erst die halbe Nacht um das Bombardement des von Zivilisten umringten Treibstoff-LKWs bei den Amerikanern bitten müssen. Das wäre dann schneller gegangen. Nur gut, dass wir ja bald auch eigene bundesdeutsche Drohnen verpflichten können. Das ist offensichtlich ein must-have, der tout dernier cri unter den Kampfmitteln. Ob das Drohnengeschwader dann noch sein Gelöbnis unter den sanften Augen von Verteidigungsminister de Maizière feiert, ist aus bekannten Gründen fraglich. Der „Lord of the bees“ könnte über die Finanzierung seiner eigenen Drohnenvölker stolpern.

 

Doch zurück zu Präsident Obama. Hat sich da ein Messias selbst entzaubert, oder war es vielleicht eher so, dass wir nach der Bush-Administration in Washington einen so starken Wunsch nach einem leuchtenden Vorbild hatten, dass wir nicht widerstehen konnten ihn aufzuladen, ihn zum Heilsbringer zu verklären. Auch in Ermangelung eigener politischer Leuchttürme. Dass er an solchen Erwartungen scheitert, denn nur so kann es bezeichnet werden wenn ein Friedensnobelpreisträger agiert wie Obama, hätten wir ahnen können. Hoffen wir darauf, dass irgendwo auf dieser kleinen Welt ein Hoffnungsträger geboren wird, den es bis an die Spitze eines einflussreichen Staates spült. Auf Obama konnte man schon hoffen, doch es hat nun mal nicht geklappt. Schade. Derzeit gibt er ein Bild ab, wie wir es zuletzt von seinem Amtsvorgänger kannten. Kriegerisch, aggressiv und zu allem bereit. In Syrien werden seit einiger Zeit Massenvernichtungswaffen verortet. Obamas Rote Linie sei, nach Auskünften seiner „Dienste“, überschritten. Wahrscheinlich sind es die selben „Dienste“ die auch Saddam Husseins Waffenarsenal ausfindig gemacht haben. Ein Déjà-vu, ein Vorwand oder eine Tatsache? Who knows? Niemand. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt… Aber sie stirbt.

Ein letzter Link zum Guardian.

Hoffnungsvolle Grüße