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Katzen & Hund

Luna ist jetzt auch auf mudg.de

Das wurde aber auch Zeit.

Luna ist jetzt schon seit Mitte Dezember bei uns, hat aber noch keinen Platz auf mudg.de gefunden. Eine nicht zu unterschätzende Nachlässigkeit. Die Kategorie „Katzen“ heißt jetzt „Katzen und Hund“. Yeah.

Und weil ein Bild manchmal mehr sagt, als mir in Worten einfallen würde, füge ich einfach ein paar Schnappschüsse des Mittagsrundgangs hier ein.

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Gesellschaft Politik

Migration, Integration, Assimilation, Frustration

In den virtuellen Selbstinszenierungsplattformen unserer Wahl sehen wir scharenweise Experten für dies und jenes. Experten für Mode, Autos, Kochen, Sport und Immobilien, aber auch und insbesondere Experten für Politik, Wirtschaft und Kultur. Und die überwiegende Mehrheit ist ja offenkundig dieser Tage Experte in Sachen Migration. Die Migrations-Experten bevölkern die digitalen Hügel wie dereinst das Publikum des Juden Jesus von Nazareth. Nur leider haben sie kein Ohr für so einfache wie universelle Inhalte wie sie auch 2000 Jahre nach deren Verkündung noch nicht Eingang in unsere Herzen und Gesetze fanden. Wer sich, wie es Jesus empfiehlt, barmherzig zeigt, ist ein Gutmensch. Seine (des Gutmenschen) Naivität und Weltfremdheit wird verspottet und gar zur Ursache für das unweigerlich nahende Ende des christlichen Abendlandes erkoren. Weite Teile der Politik der Europäischen Union, wie auch der einzelnen Mitgliedsstaaten, aber insbesondere der überwiegende Teil der Bevölkerung wähnt sich im Recht, wenn es um die Aufnahme von Flüchtenden aus den Krisenherden der Welt geht. Begrenzung, Abschiebung und Eindämmung sind häufig zu lesende Schlagworte. Und wenn es zum Äußersten kommt, der Aufnahme von Flüchtenden, dann wird über Integration doziert, dass sich die Balken biegen. Wobei es erstaunt wie dürftig die Bereitschaft vorhanden ist, sich etwas genauer mit den Begriffen und den zugrunde liegenden Konzepten auseinanderzusetzen. Da wird munter fabuliert über Integration, gemeint ist in aller Regel Assimilation. Da wird über Menschenrechte und das Grundgesetz, emanzipatorische Themen und Glaubensfreiheit sowie Gerechtigkeit gesprochen, ohne dabei das Ganze in einen vernünftigen Rahmen zu setzen. Ein gesamtes Bild kann so nicht entstehen.

Ob in der digitalen Sphäre oder beim Plausch mit Freunden und Bekannten. Es wird zusehends unerträglicher wie sich die Herzen einengen und das wahre Gesicht einer Gesellschaft sichtbar wird, die sich selbst kaum noch aushält. Im Optimierungs- und Inszenierungswahn dieser Tage wird klar, wer der große Gewinner sein wird. Das Ich. Unweigerl-ich. Oder, um einen anderen Werbespruch anzudeuten: Das Wir verliert. Wer sich im Jahr 2015 noch immer dem Gedanken verschließt, dass es neben dem abstammungs- oder sprachgemeinschaftlichen Staatsbürgertum auch Konzepte geben kann, die gemeinsame politische Werte wie Demokratie und Meinungs- und Glaubensfreiheit in den Vordergrund stellen, dem kann man keine ernsthaften Absichten unterstellen. Klar ist, dass es außer dem staatlichen Gewaltmonopol und der Einhaltung der universellen Menschenrechte keine verbindlichen Werte geben kann, die als Voraussetzung dienen, eine Zugehörigkeit einzelner zu einer Gruppe (Staatsbürger) zu begründen oder zu verweigern. Flüchtende sind in diesen Tagen gerade mit dem Ziel unterwegs, recht- und schutzlose Gebiete zu verlassen und Zuflucht zu finden in Gebieten, die ihnen genau das bieten: staatliches Gewaltmonopol und Einhaltung universeller Menschenrechte. Wir haben also alle ein gemeinsames Anliegen. Kein Flüchtender kommt hierher und nimmt den zumeist äußerst beschwerlichen Weg in Kauf, um hier für Unsicherheit zu sorgen. Das ist so einleuchtend, dass es sogar ein Bundesinnenminister verstehen könnte.

Was wollen wir eigentlich so krampfhaft vor den „Fluten“ der Flüchtenden schützen? Klar. Es ist nicht unser Geld – wir spenden und helfen ja ganz toll. Niemand hat Angst davor einen Teil seines Vermögens für jene zu geben, die nichts oder wenig haben. Wir alle haben unsere Gästezimmer und Eigentumswohnungen unentgeltlich den Ausländerbehörden angeboten, um sie mit Flüchtenden zu füllen. Wir gehen auf Vorträge um uns über Flüchtlingspolitik zu informieren. Unsere Vereine machen Spendenaufrufe, wir besuchen Moscheen und Sammelunterkünfte – es ist doch alles ziemlich prima, nicht wahr? Gut. Selbst wenn alles hier aufgezählte tatsächlich in weiten Teilen der Gesellschaft stattfände, selbst dann bliebe uns sicherlich trotzdem noch ein ziemliches Unbehagen. Was wird sich ändern? Deutschland, heißt es auch aus Politikerkreisen, wird sich ändern. Es ist die größte Herausforderung seit dem Fall der Mauer oder gar seit dem Ende des 2. Weltkrieges. Solche und ähnliche Aussagen beunruhigen uns, weil wir Angst vor Veränderungen haben, gerade vor jenen, die wir nicht planen und voraussehen können. „Dass nichts bleibt wie es war“, singt Hannes Wader 1982, und hat natürlich auch heute noch damit recht.

Unsere Demokratie in Gefahr zu sehen, weil sie sich verändern könnte, ist der Beginn eines totalitär „demokratischen“ Absolutismus, der zu nichts führt außer zu Problemen. Nur der Wandel und die ständige Anpassung unseres Rahmenwerks an die tatsächlichen Begebenheiten sichern uns vor zukünftigen Gefahren. Lassen wir uns nicht entmutigen durch die Kakophonie einwärts gewandter Egomanen. Seien wir barmherzig im Sinne der jüdisch-christlichen Bergpredigt, seien wir offen für Neues. Nur das konstruktive Beschäftigen mit dem Neuen wird uns retten. Und lasst uns beherzt auftreten wenn die Wölfe im Schafspelz anfangen zu heulen.

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Gesellschaft Politik

Austerität und Kuscheln

heute: Sparsamkeit, oder wie lässt sich moralische Integrität mit den Prinzipien der Austerität vereinen

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass alles Übel irgendwie von weit weg herkommt. Kurseinbrüche haben ihren Ursprung in Peking oder New York, der Krieg im Osten der Ukraine hat seinen Ursprung in Kiew und Moskau, die Treibhausgase werden in den USA und China emittiert. Alles schön weit weg. Hat nichts mit uns zu tun, das liegt auf der Hand.

Und ja. Die Flüchtlinge kommen ja auch aus fernen Ländern hier her. Wir kümmern uns vorbildlich und ehrenamtlich. Wenn sich PolitikerInnen an den Schauplätzen fremdenfeindlicher Übergriffe einfinden um ihre Solidarität zu bekunden ohne gleichzeitig allzu viele Wählerstimmen zu verlieren, dann hört man oft, dass Deutschland ein weltoffenes Land ist. So wie 2006 „die Welt zu Gast bei Freunden“ war, so sind neun Jahre später Flüchtlinge willkommen – Refugees Welcome. Ein herzliches Hallo, Bienvenue und Welcome an alle die hier her kommen. Heerscharen freiwilliger Helfer fallen über die Neuankömmlinge her, um sie bestens zu versorgen.

Glaubt Ihr nicht? Ich auch nicht.

Da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Vielleicht denkt sich der eine oder andere Politiker, dass wenn schon Verwaltung und Politik offensichtlich versagen, dann können es ja die BürgerInnen wieder richten. Obgleich das auch nur eine Nebelkerze ist, die im Frühnebel des aufziehenden Tages gezündet wird, der mit der völligen Entdemokratisierung am Abend endet. Oder ist es doch eher der basisdemokratische Wille des Volkes, dass Deutschland eine empathiefreie Zone wird?

Das wird man sehen. Niemand kann so richtig vorhersagen, wohin uns besorgte Bürger, Asylkritiker, NPD’ler, die PEGIDAs mit ihren lokalen Abteilungen oder einfach der normale Nachbar von nebenan und der Onkel aus Buxtehude bringt. Wer ist heute in der Mehrheit – wer übernimmt morgen die Meinungsführerschaft? Manchmal glaube ich, es braucht nicht viel um die Stimmungslage in Deutschland so ins Wanken geraten zu lassen, dass sich totalitäre Strukturen aufbauen können.

Freunde. Back to topic. Was ist jetzt mit der Austerität? Das ist ein Gedanke der mich seit längerem umtreibt. Wieso sind denn die Nachrichten voll mit den Schreckensnachrichten und Wortungetümen über die derzeitige Lage von Flüchtlingen. Worüber wird im Kern am meisten berichtet? Über die Gründe und Ursachen von Migrationsbewegungen, über die globale Dimension der aktuellen Flüchtlingsbewegungen oder über die Sorgen und Ängste derer, die gerade nicht flüchten? Richtig! Das letztere ist der Schwerpunkt unserer Aufmerksamkeit. Wir schauen uns jene an, die gerade nicht flüchten und dort wohnen, wo Flüchtende sich Aufnahme und Zuwendung versprechen.

Aber ist das nicht völlig absurd? Wir sorgen uns um die Sachsen und Dunkeldeutschen im Gesamten. Wir sorgen uns um die geschundenen Polizisten, die ein wenig von den besorgten Nazis angepöbelt und natürlich von den ach so staatsfeindlichen Antifas terrorisiert werden. Und wir sorgen uns manchmal irgendwie auch ein bisschen um die eigentlich Betroffenen: die Flüchtlinge. Es macht aber auch viel mehr Spaß über die doofen Ossis mit ihrem spektakulär lustigen Dialekt herzuziehen oder die Mauer wieder aufbauen zu wollen bzw. den lakonischen Verweis darauf herzustellen, dass man den Ossis 1990 ja auch geholfen hat.

Bullshit Freunde! Wir müssen dringend von dieser Straße abbiegen, die führt zum Abgrund. Wir dürfen nicht länger dem Auseinanderdriften unserer Gesellschaft Vorschub leisten, indem wir das Trennende betonen. Es gibt genug Gemeinsames für das wir uns stark machen können. In Dresden und Heidenau gibt es mehr als genug redliche Menschen, die sich schämen für diejenigen die offen ihre menschenverachtenden Parolen gröhlen. In den fünf „neuen“ Bundesländern gibt es keine grundlegend andere Haltung zu Flüchtlingen als im Rest der Republik. Die Ursachen warum in den Medien jene Ereignisse die sich im Osten abspielen prominenter behandelt werden lässt sich nur schwer ergründen. Vielleicht verkauft es sich besser wenn im Osten ein Asylbewerberheim brennt, als wenn es in der rheinland-pfälzischen Vorderpfalz brennt. Die ostdeutschen Nazigruppen sind auch bestimmt viel interessanter als die vorderpfälzischen Nazischergen des 3. Wegs. WTF? Vielleicht ist es einfach so, dass Ostdeutschland eben doch noch nicht so ganz zum Rest der Republik dazugehört und dass man den gesellschaftlichen Sondermüll am liebsten dort entsorgt. Wir Deutschen wären ja ganz tolle Gastgeber, wenn es doch nur die Ossis nicht gebe…

Also, ich meine, dass etwas mehr Sparsamkeit oder auch strenge unbiegsame Hartnäckigkeit der Tugend und Moral, helfen könnte. Bevor wir mal wieder über die Strenge schlagen und dumpfe Parolen mit ebenso dumpfen Gegenparolen parieren, können wir kurz warten und nachdenken. Muss ich das Posting jetzt wirklich gleich erwidern. Kann ich die Wahl meiner Worte überdenken, um vielleicht doch noch etwas zum Guten zu ändern? Oft sitze ich neben meiner angebeteten Gefährtin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jeden Tag zu versuchen eine Seele zu retten. Sie macht das in Facebook und sucht sich offenkundig junge Menschen, die sich eindeutig oder latent menschenverachtend äußern, um in den Dialog mit Ihnen zu kommen. Äußerst höflich und respektvoll begegnet sie ihnen. Legt einen Grund nach dem anderen dar, wie man diese oder jene Sache auch anders betrachten kann. Oft sitze ich nebendran und schüttele stumm den Kopf vor soviel Geduld und Langmut. Aber nur so lange bis mein Kopf nicht mehr schüttelt sondern vor lauter Anerkennung wie von Geisterhand beginnt zu nicken. Sie hat schon viele argumentative Scharmützel in Facebook erlebt, die meisten jedoch verliefen ruhig und besonnen. Meine allergrößte Hochachtung ist ihr nicht nur deswegen auf ewig gewiss.

Und so verstehe ich auch die Idee mit der Austerität. Sparsam, streng, tugendvoll und moralisch – so sollten wir jenen begegnen die anderer Meinung sind. Nur mit Geduld und auch einer Portion Liebe lassen sich große Veränderungen herbeiführen oder verhindern, je nachdem. Natürlich gibt es auch unbelehrbare Arschlöcher, denen man am liebsten eine in die Fresse hauen will. Wahre Stärke wird dann offenbar, wenn man es trotzdem nicht tut.

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Gesellschaft Politik

Überall Flüchtlinge?

Flüchtlinge wo man hinschaut. Überall Flüchtlinge. Schon beim Verlassen der Wohnung muss ich mich durch Horden von Menschen kämpfen, die mir den Weg in den Supermarkt oder meinen geliebten Baumarkt verstellen. Und auch dort stehen sie rum, sprechen in mir fremden Sprachen miteinander, machen sich bestimmt über mich lustig. Telefonieren mit ihren Smartphones, einige lachen -bestimmt über mich-,  gehen in dem selben Markt einkaufen. Bald gibt es keinen Platz mehr für mich. Aaaaaargh. Und die Nachrichten sind voll von Meldungen über sie. In Griechenland und in Italien kommen sie an, in Serbien und Ungarn werden sie aufgehalten. Nach England, Schweden oder Deutschland gelangen sie dann irgendwann, zwar nicht alle – aber immerhin genug um meine liebe Ruhe hier zu stören. Dann stehen sie hier in langen Schlangen und nehmen mir auch noch den Sonnenschein, machen mir Schatten. Die kaufen mir noch die letzte Packung Milch weg oder das letzte Päckchen Stahlnägel im Baumarkt. Von den Rasenmähern und Blumentöpfen ganz zu schweigen. Die kaufen mir alles weg.  Alles.

Jetzt mal im ernst Freunde. Wenn man die meisten der vielen tumben analogen und digitalen Stammtischgröhler nicht mit der Nase auf die ansteigenden Zahlen von Flüchtlingen stoßen würde, dann würden sie es wohl kaum bemerken. Was ändert sich denn durch die in diesem Jahr angestiegene Zahl von Flüchtlingen für uns Eingeborenen? Haben wir ernsthaft mit irgendeiner Veränderung in unserem vergleichsweise beschaulichen und friedlichen Leben zu tun? Dass es für viele Eingeborene in Deutschland schwer ist seinen oder ihren Lebensunterhalt zu bestreiten ist offenkundig. Aber es ist kein Problem, dass Flüchtlinge oder Zuwanderer zu verantworten haben. Es ist vielmehr ein seit Jahren bis zur Unkenntlichkeit geschwundener Sozialstaat, der sich marktkonformisierte. Der Auftraggeber politischen Handelns hat gewechselt. Es ist nicht mehr der Pöbel (also wir) der alle vier Jahre eine neue Auftragsbestätigung in den Bundestag schickt. Politisches Handeln hat seit Jahren (seit Brandts Kanzlerschaft) einen Aufsichtsrat mit vielschichtigen Interessen bekommen. Verbände und Verbünde mit allerlei Wünschen bestimmen nun permanent und effizient wie sich Deutschland und Europa gestalten.

Back to Topic: Flucht und Vertreibung haben wir ja nicht erfunden. Obgleich es uns zuzutrauen wäre. Doch als Deutsche haben wir, nun ja, sagen wir wir mal… eine gewisse Expertise. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren knapp 25.000.000 Menschen auf deutschem (und ehemals deutschem) Gebiet auf der Flucht bzw. auf dem Weg nach Hause nach der unbeschreiblichen Hölle deutscher Internierung, Zwangsarbeit und Folter in den Konzentrationslagern. Wer das überlebt hat wollte so schnell wie möglich nach Hause – wenn es das noch gab. Also: Ich habe das mal nachgeschlagen: Ganz knapp zusammengefasst: Die Hälfte wollte raus aus Deutschland, die andere Hälfte wollte bzw. musste rein. Wie haben wir also nach dem Krieg gut 12.000.000 Menschen die aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie zu uns kommen mussten aufgenommen? Es ist kein großes Rätsel: fast genauso beschissen wie es sich heute mit den Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten darstellt. Obwohl sie ja an sich die ‚richtige‘ Staatsangehörigkeit besaßen, waren da wohl noch so einige Untermenschenaspekte aus der völkisch deutschen Rassekunde am wirken.  Dossier bpb

Meine liebe Großmutter und eine stattliche Anzahl ihrer Geschwister haben eine ungeheuerliche „Reise“ auf sich genommen um aus ihrer schlesischen Heimat nach Westdeutschland zu kommen. Schon damals war die Prozedur wie heute. Erstaufnahmeeinrichtung, Registrierung – Bürokratie. Nur Bürokratie… keine Unterstützung bei der Suche nach den auf dem Weg verlorenen Geschwistern (ein Bruder wurde nach fast 60 Jahren wieder gefunden), kein Wort des Mitgefühls, kein Wort des Trostes. Gut. Fast jeder kennt solche Geschichten von den Großeltern oder Urgroßeltern. Und fast jeder weiß, dass sich unsere Omis und Opas in der Regel hierzu nicht sonderlich äußern. Wie auch. Die Scham darüber aus einem intakten und geliebten Umfeld gerissen worden zu sein und in der neuen Heimat nie vollständig Fuß gefasst zu haben wiegt schwer. Meist zunächst als Landarbeiter oder Reinigungspersonal und später dann in den 60er und 70er Jahren als Fabrikarbeiter eingesetzt, konnte sich ihr Lebensentwurf nicht so entwickeln wie der von uns Eingeborenen. Wir sitzen hier mit unseren dicken Hintern auf Tausenden von Möglichkeiten.

Angemerkt: Es ist natürlich jedem überlassen Möglichkeiten zu nutzen oder sie verstreichen zu lassen.
Angemerkt II: Wer denkt seine Möglichkeiten sind eingeschränkt weil die Zahl von Flüchtlingen in diesem Jahr gestiegen ist, der sollte das klar benennen können. Mir jedenfalls fällt nichts dazu ein.

Selbst wenn wir uns einschränken müssten, um die gestiegene Anzahl an Flüchtlingen zu gut zu versorgen: Haben wir eine Alternative? Nein!
Gründe:
1. Deutschland hat so viel Leid über die ganze Welt gebracht, dass man es in diesem Erdzeitalter nicht wieder gut machen kann. Es ist nicht gut zu machen. Und deswegen haben wir die Aufgabe alles in unserer Macht stehende zu tun, jetzige und künftige Not zu lindern.
2. Deutschlands Wirtschaft ist außerordentlich erfolgreich. Unser Erfolg beruht heute noch auf dem erschütternd erfolgreichen Wirken von Thyssen und Krupp, von Bayer, Höchst und BASF, von all diesen Industriegiganten die im Dritten Reich keine roten Zahlen schrieben, obwohl das Blut von Zwangsarbeitern ihr Schmierstoff war.
3. Und wem die Dritte-Reich-Nummer und das mit dem Blut zu drastisch war: Deutschland verdient sich heute noch dusselig mit inhumanen Geschäftspraktiken, mit Dumpinglöhnen und erpresserischem Gebahren. Unsere Banken finanzieren alles und jeden. Solidarität mit europäischen Partnerländern? Griechischer Staat, französische Bauern… pah, Schulterzucken und weiter gehts.
4. Das verdient auf jeden Fall eine besondere Erwähnung: Nach den USA und Russland ist Deutschland der größte Waffenlieferant der Welt. Das ist nicht nur vor dem historischen Hintergrund dieses Landes eine große Scham. Deutsche Waffenexporte sind ein wichtiger Grund, warum Lebensgrundlagen in vielen Teilen der Erde zerstört werden. Und daraus wiederum resultiert Flucht.

Mal so zwischendrin: Freunde. Natürlich gibt es viele Staaten die mit der gleichen Rücksichtslosigkeit Geschäfte machen. Doch so erschreckend effizient wie wir sind nicht viele. Und von dieser ökonomischen Kaltschnäuzigkeit profitieren wir alle. „Ob als Penner oder Sänger, Banker oder Müßiggänger, ob als Priester oder Lehrer, Hausfrau oder Straßenkehrer“ („Sage nein“, Konstantin Wecker) jeder profitiert vom Reichtum dieses Landes auch wenn er ungleich verteilt ist. Wir leben zwar gewiss nicht alle gleich gut hier, doch wir leben hier gut genug um anderen Hilfe nicht zu verwehren.

Die Liste an Gründen weswegen wir helfen müssen, lässt sich gewiss noch um einiges erweitern. Das hier ist meine ganz persönliche Hitliste. Und abschließend: Es braucht keinen einzigen Grund, Menschen in Not zu helfen. Wir müssen bedingungslos und grundlos helfen. Warum? Es ist das was uns zum Leben erweckt, was uns besonders macht. Es ist die Grundlage unseres Glaubens, unseres Lebens und unserer Zukunft.

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Gesellschaft

Der Hashtag des Tages

Wie sieht eigentlich Apokalypse aus?

Nun, das weiß ja niemand so richtig, denn das mit der Apokalypse gab’s ja noch nie. Wir können es uns nicht vorstellen was es bedeutet wenn die Welt untergeht. Wenn aus allen Ritzen der Erde Flammen züngeln, schwarze Rauchwolken das Licht der Sonne verdecken, Hitze und Kälte aufeinander prallen und keine Hoffnung mehr besteht. Das Ende der Welt sieht für jeden anders aus. Doch zum Glück sind wir da weit entfernt von. Ganz weit entfernt. Ganz weit.

Heute herrschen Solidarität und Nächstenliebe. Wir unterstützen uns gegenseitig in unserem gemeinsamen Streben nach mehr Weltfrieden. Zehntausende demonstrieren dort wo es noch nicht jedem bewusst ist, dass nur die Offenheit und Liebe zählt. Wir singen und schreien an gegen Ungerechtigkeit und Hartherzigkeit und Tausende singen und schreien mit.

Unsere Türen stehen offen und die Freude über das Kommende und die Bereicherung durch das Neue klingt hell wie eine Sinfonie in unseren Ohren. Auch wenn sich der Januar dem Ende zuneigt und die winterlichen Winde sich schon bald ersterbend dem Lenz ergeben werden, auch wenn es noch kalt ist draußen, so ist es doch ein stetig wachsender Lichtstreif der Hoffnung, dass wir noch enger zusammen stehen und uns und anderen helfen, die Welt noch besser zu machen. Jeden Tag. Auch heute am 27. Januar 2015. In Dresden, in Facebook, in Twitter, in Ceuta und Melilla, in Berlin und Athen, in Moskau und Kiew, in Kabul und Langley, in Hoyerswerda und Mölln, überall auf der Welt herrscht Einigkeit:

Der heutige Hashtag lautet: #Auschwitz

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Politik

Obama: vom Hoffnungsträger des Friedens zum Sargträger des Friedens

 

Quelle: Wikipedia.de
Quelle: Wikipedia.de

Was ist mit Barack Obama los? Der mit dem Friedensnobelpreis ausgestattete letzte verbliebene Supermacht-Präsident, kommt mächtig vom Weg ab. Doch darf man rückblickend durchaus fragen, ob er jemals auf einem richtigen Weg war. Allzu gerne hätten wir seine magere Bilanz der ersten vier Amtsjahre mit den Betonblockaden der reaktionären republikanischen Opposition begründet. Wir hätten es gerne gesehen, yes we did, dass aus der letzten Supermacht der letzte Superheld seine mächtigen Schwingen über uns breitet und uns zuruft: Habt keine Angst, denn seht her, ich bringe Heil. Ich bringe Frieden. Und wie naiv fühlen wir uns jetzt, wir verblendeten Trottel? Beschämt resümieren wir die letzten Jahre US-amerikanischen Invasionsstrebens und wachen aus einer drogenschwangeren Trance auf, die unsere Sinne vernebelt hat und die unsere sonst kritische Haltung zu US-amerikanischer Politik so arg unterdrückte. Doch wie konnte das geschehen? Wie konnten wir so lange hinschauen und trotzdem nicht erkennen was mit unseren „nordatlantischen Partnern“ geschehen ist? Sie sind radikale Kriegsbefürworter, unterdrücken Menschenrechte, töten nahezu überall mutmaßliche Feinde, sichern sich nach Belieben global Ressourcen, beuten sogar ihre heimatliche Erde auf Teufel komm raus aus und haben darüber hinaus einen ungeheuerlichen Durst auf Weltmacht.

 

Derzeit reißen die verstörenden Nachrichten aus den USA nicht ab. In einer langen Kette von düsteren Meldungen sind die jüngsten Botschaften an Eindeutigkeit nicht zu überbieten. Ein Techniker einer Regierungsorganisation enthüllt Informationen deren Enthüllung alles andere als nötig waren. (Wer hat denn vor Prismleaks geglaubt, dass die Regierungen dieser Welt keinen Zugriff auf die digitalen Netzwerke hat? Eine Nachricht von Wert wäre, wenn eine Liste der Staaten veröffentlicht würde, die keine systematische Analyse der digitalen Netze vornehmen. Das wäre gewiss eine sehr kurze Liste.) Doch auch wenn Prismleaks auch nur eine Sensation an der untersten Auslöseschwelle ist, so ist das Verhalten der US-Administration durchaus jeder Rede wert. Nicht nur die US-Fatwa auf den Enthüller, auch die unverhohlenen Drohungen Richtung China, Russland, Ecuador und jeden der Snowden auch nur über sein Land fliegen lässt, sind besorgniserregend. Ägypten wird zurecht wegen der sogenannten Fatwa auf Hamed Abdel-Samad gegeißelt, die USA machen nichts anderes und alle schweigen. Gewiss will die US-Justiz erst noch einiges aus Mr. Snowden an Information waterboarden, doch seine anschließende Zukunft sieht, wie man vermuten kann, nicht sehr rosig aus. Geheimnisverräter werden gnadenlos gejagt. Mit allen Mitteln. Mit allen?

 

Der letzte Schrei US-amerikanischer Exekutivmaßnahmen sind natürlich (bewaffnete) Drohnen. Mr. Snowden kennt sich hoffentlich damit aus. Falls nicht sollte man ihm Bescheid geben, dass er sich umgehend ein Bild davon macht, wie die US-Armee, die CIA und bestimmt auch bald (oder schon) das FBI Drohnen gegen missliebige Zeitgenossen einsetzt. Und das Interessante beim Einsatz der Drohnen ist, dass zunehmend sogenannte „signature strikes“ durchgeführt werden (*). Dabei greifen die unbemannten Kriegsmännerbienen auch Personen an, die nicht identifiziert wurden, jedoch gemäß eines programmierten Verhaltensmusters agieren. Dass solche Verhaltensmusteranalysen auch mal schief gehen, zeigen bereits einige Fälle. Es gibt aber auch „personality strikes“, die gezielt unerwünschte Personen zum Ziel haben. So auch der Fall von Anwar al-Awlaki. Ein US-Bürger der für al Qaida Anwerbungen gemacht hat. Er wurde mit einer Drohne gezielt getötet. Und weil das so hübsch geklappt hat, hat man auch gleich zwei Wochen später seinen 16-jährigen (sic!) Sohn zum Ziel auserkoren und erfolgreich eliminiert. Ob man versucht hat ihn festzunehmen und vor ein Gericht zu stellen konnte ich nicht herausfinden. In Deutschland erinnern wir uns noch gut an Oberst Klein (Sorry General Klein natürlich). Hätte er zu jener Zeit schon so umfangreich wie heute auf Drohnen zurück greifen können, hätte er wohl nicht erst die halbe Nacht um das Bombardement des von Zivilisten umringten Treibstoff-LKWs bei den Amerikanern bitten müssen. Das wäre dann schneller gegangen. Nur gut, dass wir ja bald auch eigene bundesdeutsche Drohnen verpflichten können. Das ist offensichtlich ein must-have, der tout dernier cri unter den Kampfmitteln. Ob das Drohnengeschwader dann noch sein Gelöbnis unter den sanften Augen von Verteidigungsminister de Maizière feiert, ist aus bekannten Gründen fraglich. Der „Lord of the bees“ könnte über die Finanzierung seiner eigenen Drohnenvölker stolpern.

 

Doch zurück zu Präsident Obama. Hat sich da ein Messias selbst entzaubert, oder war es vielleicht eher so, dass wir nach der Bush-Administration in Washington einen so starken Wunsch nach einem leuchtenden Vorbild hatten, dass wir nicht widerstehen konnten ihn aufzuladen, ihn zum Heilsbringer zu verklären. Auch in Ermangelung eigener politischer Leuchttürme. Dass er an solchen Erwartungen scheitert, denn nur so kann es bezeichnet werden wenn ein Friedensnobelpreisträger agiert wie Obama, hätten wir ahnen können. Hoffen wir darauf, dass irgendwo auf dieser kleinen Welt ein Hoffnungsträger geboren wird, den es bis an die Spitze eines einflussreichen Staates spült. Auf Obama konnte man schon hoffen, doch es hat nun mal nicht geklappt. Schade. Derzeit gibt er ein Bild ab, wie wir es zuletzt von seinem Amtsvorgänger kannten. Kriegerisch, aggressiv und zu allem bereit. In Syrien werden seit einiger Zeit Massenvernichtungswaffen verortet. Obamas Rote Linie sei, nach Auskünften seiner „Dienste“, überschritten. Wahrscheinlich sind es die selben „Dienste“ die auch Saddam Husseins Waffenarsenal ausfindig gemacht haben. Ein Déjà-vu, ein Vorwand oder eine Tatsache? Who knows? Niemand. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt… Aber sie stirbt.

Ein letzter Link zum Guardian.

Hoffnungsvolle Grüße

 

 

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Politik

Nachricht an das Blog, oder: you’ll never walk alone.

Gut. Sie weiß von nichts. Mal sehen wann ihr es auffällt.

„Hä? Wer bist Du denn?“

Ich bin’s: Dein admin. Ich melde mich mal weil ich dachte, dass Du so einsam bist.

„Und warum meldet sich die Dachfarmerin nicht?“

Ja, sie lässt Dich kleines Blog ganz schön hängen. Seit geraumer Zeit kein Eintrag mehr, obwohl sich die Pflänzchen auf dem Dach schon ganz prächtig entwickelt haben und schon zwei mal Salat geerntet und schon drei mal Spinat gegessen wurde. Gar nicht zu sprechen von den Bilderbuch Radieschen, die uns auch schon zweimal den Tisch gedeckt haben. Liebes Blog, ich füge Dir noch ein paar Bilder ein, dass Du mal siehst was da so alles passiert ist, ohne dass es Dir jemand gesagt hat.

„Ach toll, das soll mich wohl beruhigen…“

Aber Du wirst schon sehen. Es ist viel passiert. Die Dachfarmerin hat gefarmt was das Zeug hält. Und sie hat renoviert. Ein neuer grüner Salon ist entstanden. Also kein zweiter Garten – keine Angst. Ein frisch renoviertes Wohnzimmer. In Grün: die Farbe heißt Mai 85. Wir hatten ja Bedenken, weil es doch seeehr grün ist, aber das Resultat ist sehenswert. Die Decke haben wir auch gemacht. Das Raufasertapetenmonster mit Hilfe von Dobri und Plamen bekämpft, dann viermal (sic!) Farbe drauf gespritzt und na ja, das Ergebnis ist fast gut. Wir hätten ja nochmal eine Schicht auftragen müssen, aber wir wollten nicht länger warten. Die neuen LED-Lichtleisten machen ganz schön hell und das 500.1 Soundsystem mit den 502 Kabeln ist auch installiert ohne sichtbare Kabel. Und das Fernsehding flimmert auch wieder.

Kartoffelturm von oben
Kartoffelturm von oben

Zwischenstand, aber schon ganz schön grün
Zwischenstand, aber schon ganz schön grün

Radieschen
Radieschen

 

Viele gute Gründe für die lange Abwesenheit der Dachfarmerin. Ich hoffe Du bist ihr nicht allzu böse. Nun, Du fragst Dich bestimmt warum die Dachfarmerin jetzt wo doch die Renovierung vorbei ist, sich immer noch nicht bei Dir meldet: Ja, liebes Blog, das ist so eine Sache. Sie ist jetzt viel auf Facebook.

„WAS? Heilige Scheiße.“

Ja, das doofe Konkurrenzding zu Dir. Derzeit hat sie da eine kleine Rangelei mit der Bundeswehr.

„Mit der ganzen Bundeswehr? Die Arme.“

Nun klar, nicht mit der ganzen Bundeswehr, die sind ja zum Teil in Afghanistan oder andermorts um unsere Freiheit und unsere Ressourcen zu verteidigen. Sie balgt sich vielmehr mit jenen die wieder zurück sind und Bücher schreiben über ihren Einsatz dort. Diese Bücher stellen sie dann in Schulen und Hochschulen vor und machen Werbung für ihren Standpunkt und den Standpunkt der Bundeswehr.

„An Schulen???“

Ja an Schulen. Da werden Jugendliche mit militaristischem Geschwurbel von der Notwendigkeit der Kampfeinsätze überzeugt. Und schaut man mal genauer auf das Thema, dann bleibt der Mund offen stehen. Eine ganze Horde von Jugendoffizieren kümmert sich redlich um die Vermittlung von sicherheitspolitischen Inhalten: an Schulen und Hochschulen. Stolz berichten sie in ihrem Jahresbericht von knapp 10.000 Besuchen an Schulen, wo sie über 150.000 junge Menschen mit ihrer Botschaft erreicht haben.

„Welche Botschaft?“

Gute Frage, liebes Blog. Ich denke da in erster Linie daran, dass sie unseren Schülerinnen und Schülern erstmal ein recht gutes Bild von der Bundeswehr machen wollen. Alles cool, aldä. Dann wenn das Bild stimmt (BW-Camps, BeachVolleyball, lauter endgeiles cooles Zeug) dann wird noch rüber gebracht, dass es ganz normal ist, dass die deutsche Streitkraft sich auch im Ausland streitet. Dass Frauen und Kinder von Taliban befreit und Piraten versenkt werden müssen.

„Tali.. was?“

Ja Taliban. Die werden da jetzt unschädlich gemacht, auch wenn die konkurrierenden Sicherheitskräfte aus dem Ausland für deutlich mehr Verderben sorgen. Aber Du weißt ja. Man muss nicht alles verstehen.

Ich richte der Dachfarmerin einen Gruß von Dir aus. OK?

„Ne lass mal, ich bin immer noch beleidigt weil sie mich so vernachlässigt: aber sage ihr, dass sie mit den Schulen am Ball bleiben soll.“

Mach ich.
Dein admin.

P.S.: Wenn Dir langweilig ist und Du Aufmunterung brauchst guggschd Du bitte:

hier den Bericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr an

oder

hier ein Posting bei Facebook (durchlesen dauert ca. 45 Minuten…)

Nochmal P.S.: Weitere Bilder kann ich jetzt nicht posten. Die sind auf Dachfarmerins Computer mal wieder in einem nicht freigegebenen Bereich. Ich werde ihr demnächst die ganze Festplatte freigeben müssen. Grrhhh.