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Bundeswehr an Schulen

Die Bundeswehr darf an Schulen über ihre Arbeit (…) informieren. Hintergründe dazu z.B. unter:

http://www.tdh.de/was-wir-tun/themen-a-z/bundeswehr-an-schulen.html

http://lsvnrw.de/themen/151

http://www.taz.de/!115942/

http://www.gew.de/Bundeswehr.html

uvm.

Gestern Abend war in Darmstadt eine Podiumsdiskussion zum Thema Bundeswehr an Schulen geplant. Auf Grund mangelnden Besucheransturms wurde die Podiumsdiskussion zu einem ‚Hocketse‘. Neben den Veranstaltern und Rednern und deren Assistenten verirren sich ein besorgter Vater, eine empörte Bürgerin und ich in die Runde. Drei Gäste, ein Gastgeber, zwei Rednerinnen und fünf mehr oder weniger interessierte Parteimitglieder der Linken. Alles noch kein Grund zu verzagen, schließlich war die Chance etwas zu lernen und zu erfahren zu dem Zeitpunkt noch nicht eliminiert. Die eher vage Einführung und der Überblick, den die extra angereiste Bundeslinke gibt, schmälern dann die Erwartungshaltung. Der besorgte Vater fragt: „Was kann ich tun, dass mein Sohn nicht am drohenden Besuch der Jugendoffiziere teilnehmen muss?“ Nun, terre des hommes formulierte einen rechtlich einwandfreien Brief, den möge er sich aus dem Internet ausdrucken, ansonsten möge er sich doch bitte im Schulelternbeirat engagieren um dort eine Zivilklausel in die Schulordnung aufnehmen zu lassen. Wirklich gewundert, dass der besorgte Vater vorzeitig die Veranstaltung verlässt, habe ich mich nicht. In dieser überschaubaren Runde sollten eigentlich die „Überzeugten“ sitzen (vor allem, weil die Nicht-Überzeugten erst gar nicht kamen). Trotzdem folgten von den sogenannten Überzeugten immer wieder Todschlagargumente:

1. Der GEW-Abgesandte erklärt, dass obwohl zirka 30% aller LehrerInnen in der GEW organisiert sind, sie durch die stetig wachsende Beanspruchung durch den Schulalltag nicht in der Lage sind, initiativ sich gegen Bundeswehr-Veranstaltungen an Schulen zu engagieren.

2. Der Moderator der Veranstaltung berichtet von seinem Schulabschluss Mitte der 80er Jahre. Damals habe die Bundeswehr einen extatischen Zulauf erlebt. Die Methoden der Bundeswehr haben sich nicht verändert, sondern lediglich die gesellschaftliche Wahrnehmung. Nun, das ist seine Geschichte – es gibt auch andere. Und persönlich freut es mich sehr, dass sich die gesellschaftliche Haltung hinsichtlich gewaltverherrlichender Rekrutierungsmaßnahmen heranwachsender SchülerInnen wandelt.

3. Der Vorschlag der Landeslinken, im Bundestag einen Antrag auf ein Verbot von Bundeswehrveranstaltungen an Schulen zu stellen, wird von der Bundeslinken abgeschmettert, weil den Linken ohnehin kein Gehör geschenkt wird. Die Landeslinke wollte durch ihren Antrag eine Positionierung der übrigen Parteien vor der anstehenden Wahl bezwecken. Nun, liebe Bundeslinke, es stimmt, dass den Linken kein Gehör geschenkt wird; besonders dann, wenn sie ihre Anträge nicht mal formulieren.

4. Innerhalb der Diskussion wurde klar festgehalten, dass auf Grund der rhetorischen Exzellenz der Jugendoffiziere sich eine Auseinandersetzung bzw. Diskussion ob der zwangsläufigen Unterlegenheit nicht lohnt. Bitte? Unsere PolitikerInnen und LehrerInnen trauen sich nicht in Diskurs mit den Jugendoffizieren zu gehen?

5. Wer sind denn eigentlich die Jugendoffiziere? Wer versteckt sich dahinter? Dieser Frage könne nach gemeinsamem Konsens der Anwesenden nicht nachgegangen werden. Eine einfache Recherche in Facebook, XING und Co. ergab exemplarisch, dass sich der Leiter der Abteilung Personalanwerbung und Personalbeschaffung als Jugendoffizier verkauft. Und Jugendoffiziere dürfen nur informieren und nicht werben. Insgesamt gibt es 90 hauptamtliche Jugendoffiziere, der zeitliche Aufwand ist zwar groß, aber nicht unleistbar.

Offensichtlich kann die Politik weder einen organisierten Widerstand leisten, noch einen ordentlich recherchierten und fundierten Ist-Zustand dokumentieren. Den LehrerInnen ist ebenfalls ihre eigene Fürsorgepflicht an ihren SchülerInnen nicht zuzumuten.

Was neben diesen vielen Untätigkeiten meine eigene Frustrationstoleranz überreizt hat, war die fast schon gelangweilte Gleichgültigkeit mit der auf eigene Fragen und Anliegen nicht reagiert wurde. War es mir ein persönliches Anliegen über Bundeswehrveranstaltungen an Förderschulen zu sprechen, über das Andocken des Bundeswehr-Planspiels Pol&IS an andere schulische Aktivitäten ohne Kennzeichnung der Herkunft dieses amüsanten Spiels oder über vernünftige Altersgrenzen, so wurde ich dezidiert enttäuscht. Die empörte Bürgerin schrieb einen Brief an die amtierenden Kultusminister. Nett, aber uninteressant – für die Anwesenden.

Das Thema Bundeswehr an Schulen ist ein netter Aufhänger, gut für das Image der Linken. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Blumentopf ist mit dem Thema nicht zu gewinnen.

A propos gewinnen… Quizfrage des Tages:

Welches Wort passt nicht in die Reihe: Exekutive – Legislative – Initiative – Judikative?

Zu gewinnen gibt es heute einen fünftägigen Ausflug mit den Gebirgsjägern auf Minensuche. Einsendungen bitte an irgendwen.

»Ja. Weil das gar keine Wahl ist«, sagt das Känguru. »Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.«
»Ein Wahlschein?«, frage ich.
»Das ist, als ob du in den Supermarkt gehst und da wählen kannst zwischen der Tütensuppe von Maggi und der Tütensuppe von Knorr, aber in Wirklichkeit ist alles Nestlé. Der Wahlschein suggeriert Freiheit, aber in Wirklichkeit sage ich dir: Alles Kapitalismus, alles Nestlé, alles Hähnchen. Da ich nun aber generell keine Tütensuppe essen will, ist mir die Markenwahl im Supermarkt eben schnurzpiepe.«

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Bundeswehr raus aus den Schulen

olivSeit einiger Zeit empfinde ich heftiges Unbehagen über die Ausrichtung der Werbemaßnahmen der Bundeswehr an Schulen.

Man muss nicht allzu lange recherchieren, um sich ein Bild zu machen, wie sich die Bundeswehr bei jungen Menschen gerne darstellt. Aufwändige Print- und Onlinekampagnen die im Kern Abenteuerlust, Technikversessenheit und Kameradschaft ausstrahlen. Diese Schlagworte jedoch beschreiben die Arbeit in der Bundeswehr wohl nicht ausreichend genug. Die Arbeit der Bundeswehr wird konnotiert mit Assoziationen von Freiheit, Abenteuer, Spaß, Karriere, Technik, Tradition und dergleichen. Negative Aspekte werden nicht kommuniziert. Dabei richtet sich die Werbung an eine Zielgruppe, die zu jung ist, um sich ein vollständiges individuelles Bild machen zu können. Es gibt zahlreiche Beispiele von Einzelmaßnahmen die sich gezielt an Minderjährige wenden. Einige davon sind durchaus bemerkenswert. So unter anderem die Klassenfahrt einer neunten Klasse in eine Kaserne, in der ca. 15-Jährige in Uniform mit Panzern und sonstigen Waffen konfrontiert und fotografiert werden und gar auf der Webseite www.bundeswehr.de und der Facebook-Seite Bundeswehr-Karriere veröffentlicht werden.

Wie sich mir die Bemühungen der Jugendoffiziere und Karriereberater der Bundeswehr darstellen:

  • Es ist auffällig, dass die Bundeswehr erhebliche finanzielle und personelle Mittel darauf verwendet Nachwuchswerbung zu betreiben.
  • Die Nachwuchswerbung lässt sich selten von reiner Informationsarbeit abgrenzen.
  • Aus öffentlich zugänglichen Quellen ist zu entnehmen, dass die Bundeswehr Werbung bei Minderjährigen betreibt.

Diese Umstände veranlassten mich, an die für Bildung zuständigen Ministerien der 16 Bundesländer, eine Briefaktion zu starten.

Hier, exemplarisch, der Brief an Frau Doris Ahnen (Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, RLP):

Sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrte Frau Ahnen,

ich schreibe Ihnen heute um Ihre Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, welches seit einer Pressemeldung über den Aachener Friedenspreis an Bedeutung für mich gewinnt. Mir geht es um Veranstaltungen der Bundeswehr an Schulen und Hochschulen.
Es fiel mir bei Recherchen auf, dass die Methoden von sogenannten Jugendoffizieren der Bundeswehr differenzierter und intensiver stattfinden als ich dies angenommen habe. Mir stellt sich die Frage ob alle Maßnahmen und Methoden wie sie derzeit angewandt werden auch legitim und moralisch vertretbar sind.
Die Informationsveranstaltungen der Bundeswehr vermitteln durchgehend ein Bild, als sei die Bundeswehr ein „normaler“ Arbeitgeber. Es werden Argumente für die Bundeswehr angeführt, die man durchaus als Lockangebote bezeichnen kann. Möglichkeit des Studiums, langfristige Beschäftigungsgarantie, hervorragende Aufstiegsmöglichkeiten und dergleichen. Zielgruppe der Ansprache sind junge Menschen am Beginn ihres beruflichen Weges und auch Jugendliche die ihre schulische Ausbildung noch beenden müssen. Menschen also, die sich in einer Orientierungs- und Findungsphase befinden, die in aller Regel geprägt ist von Unsicherheit und Zukunftssorgen.
Schülerinnen und Schüler sind im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung Schutzbefohlene ihrer Lehrer, der Schule und letztlich auch des Schulträgers einschließlich des verantwortlichen Landesministeriums. Wie kann man aber diesem Schutzauftrag gerecht werden, wenn Interessengruppen wie die Bundeswehr Zugang zu den Schülerinnen und Schülern haben und sie einseitig informieren?
Darüber hinaus werden in mindestens acht Bundesländern, darunter Rheinland-Pfalz, im Rahmen von Kooperationsverträgen auch die Referendarinnen und Referendare von Jugendoffizieren „ausgebildet“. Dies als Indoktrinationsversuch zu bezeichnen ist vielleicht überspitzt – trotzdem naheliegend.
Davon ausgehend, dass die Bundeswehr, spätestens seit dem Einsatz im damaligen Jugoslawien, kein Arbeitgeber wie jeder andere ist, dass nicht nur eine relevante Gefahr für die körperliche und seelische Verfassung für Bundeswehrangehörige im Rahmen ihrer Auslandseinsätze existiert und dass die zunehmenden –und stetig besser finanzierten– Werbemaßnahmen auch zu einer wachsenden Toleranz von Kriegseinsätzen beitragen, erfüllt es mich mit großer Sorge sollten sich diese Tendenzen fortsetzen oder gar erweitern.
In diesem Zusammenhang stellen sich mir viele Fragen. Beispielhaft nenne ich drei:
• Halten Sie es mit den Grundsätzen des Beutelsbacher Konsens vereinbar, wenn die Bundeswehr Infoveranstaltungen an Schulen durchführt?
• Werden im gleichen Maße Angebote gemacht, die Freiwilligendienste und Friedensarbeit zum Inhalt haben?
• Gibt es eine Kontrolle der Arbeit von Jugendoffizieren an Schulen? Wie wird diese Kontrolle kommuniziert?
Insbesondere an eine eventuelle Antwort auf Frage 2 und 3 knüpfe ich besondere Hoffnung, da sich hier konkrete Möglichkeiten ergeben können, wie man das Informationsverhalten von Jugendoffizieren mit dem staatlichen Bildungsauftrag und dem damit zusammenhängenden Wächteramt des Staates über seine Schutzbefohlenen überzeugend legitimieren kann. Ich gehe nicht davon aus, dass derzeit Bundeswehraktivitäten im Einzelnen durch eine inhaltlich opponierende Maßnahme flankiert werden.
Wäre es nicht auch im Sinne der gemeinsam von Eltern und Schule getragenen Fürsorge, wenn die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung freiwillig wäre? Mir fällt dazu die Gewissensfreiheit unter anderem bei der mittlerweile ausgesetzten Wehrpflicht ein.
Im Jahresbericht 2011 der Jugendoffiziere wird von den großen Bemühungen berichtet, Schülerinnen und Schüler die dringende Notwendigkeit von Auslandseinsätzen vor Augen zu führen. Diese Bemerkung, als eine von mehreren, ist symptomatisch für das Selbstverständnis der Jugendoffiziere. Eine differenzierte, mehrere Sichtweisen einschließende Vorgehensweise sieht gewiss anders aus. Im Rahmen des besagten Berichts wird auch über die enge vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Schulbehörden und Ministerien gesprochen, sowie die Einbeziehung von Jugendoffizieren in die Gestaltung der entsprechenden Lehrinhalte erwähnt. Werden diesbezüglich auch andere Vertreter einbezogen? Wären hier nicht die gewählten Politiker oder auch Mitarbeiter der entsprechenden Ministerien besser geeignet die Sachverhalte zu erläutern? Werden hierzu auch Aktivitäten von Organisationen wie z.B. den Grünhelmen, Ärzte ohne Grenzen oder anderen berücksichtigt?
Die Vermittlung des Themas Sicherheitspolitik in die Hände derer zu legen, die sicherheitspolitische Entscheidungen umzusetzen haben, halte ich für nicht zielführend. Es obliegt ja auch nicht der Bundeswehr zu entscheiden wie und wo die deutschen Streitkräfte eingesetzt werden. Das Parlament entscheidet nach eingehender Abwägung, nach Anhörung verschiedener Experten und Gremien und nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Stimmungslage im Volk. Warum also sollte die Bundeswehr als ausführendes Organ die Information übernehmen? Warum macht sie es hauptsächlich bei jungen Menschen, wenn nicht um letztlich Nachwuchs zu suchen?
Es gibt zwei Hochschulgruppen des Bundesverbands Sicherheitspolitik an Hochschulen in Rheinland-Pfalz. In diesen Gruppen werden regelmäßig Vorträge und Exkursionen angeboten, die oft durch die Jugendoffiziere organisiert werden. Auf den entsprechenden Internetseiten lässt sich nachlesen welche Ausrichtung zum Beispiel die Exkursionen haben. Eine relevante Bereicherung des Lernziels Sicherheitspolitik lässt sich da keineswegs ableiten. Die Veranstaltungen sind eher dazu geeignet junge Menschen an militärischen Habitus zu gewöhnen indem sie Heereskommandos und wehrtechnische Sammlungen (kostenlos) besuchen. Einige Universitäten haben bereits eine Zivilklausel eingeführt oder planen dies zu tun. Gibt es in Rheinland-Pfalz ähnliche Bestrebungen? Im Koalitionsvertrag hatten Sie hierzu Festlegungen getroffen. Konnten Sie diese bereits umsetzen?
Über eine Einschätzung Ihrerseits wäre ich Ihnen sehr dankbar und verbleibe mit herzlichem Dank für Ihr Interesse und
mit freundlichen Grüßen.
Ihre Carmen Kästner

Der Link zum Bericht der Jugendoffiziere:
http://jugendoffizier.eu/fileadmin/user_upload/allgemein/Jahresbericht_2011.pdf
Der Link zum Aachener Friedenspreis:
http://www.aachener-friedenspreis.de/preistraeger/archiv/jahr-2013.html

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Integrier‘ mich nicht.

 

Die Kehrwoche ist erledigt (alle Hausmitbewohner haben mich gehört und gesehen), die Wohnung blitzt, der Urlaub kann beginnen.

Und er beginnt mit einer wahren Geschichte. Anfang des Jahres lernte ich einen jungen Mann kennen: Muhammad ist 17 Jahre alt, seit Kurzem in Deutschland. Seine Eltern sind in der Türkei verunglückt, er lebt jetzt bei der Schwester seines Vaters. Sein Deutsch ist miserabel, er kann sich kaum mit seinen Mitschülern verständigen, dem Unterricht kann er nur im Praxisteil folgen. Sein Englisch ist dafür fließend.

Muhammad würde gerne KFZ-Mechatroniker werden, er liebt Autos, den 1. FC Nürnberg und Basketball. Er erklärt uns feinsinnig und pointiert Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Islams und des Christentums. Er spricht über den Befreiungskrieg und die Reformen Atatürks.

Letzte Woche traf ich Muhammad zum zweiten Mal. Sein Deutsch ist viel besser, sein Blick dafür verklärt. In seiner Klasse ist er integriert. Er hasst das Wort Integration. Er hat eine Ausbildungsstelle in Aussicht: Als Fachwerker in einer Schreinerei. Ich frage nach, ob er sich auch bei KFZ-Werkstätten beworben hat. Nein, mit seinem Zeugnis hat er da keine Chance.

Vermutlich hat Muhammad da Recht, vermutlich hätte er tatsächlich keine Chance gehabt. Irgendein X hat ihn in die nächstbeste Bildungsmaßnahme gesteckt, irgendein Y legt keinen Widerspruch ein, irgendein Z macht sich nicht die Mühe über Alternativen nachzudenken.

Wir leben einen Inklusions- und Integrationsgedanken, den wir auf homogene Schülerscharen projizieren. Individualisiertes Lernen, aber bitte leistungsähnlichen Gruppen. Wer rausfällt, fällt raus.

Muhammads Geschichte hat nicht mal den Codenamen Integration verdient. Die willkürliche Zuweisung in diese Bildungsmaßnahme hat ihn nicht integriert, sondern zusätzlich stigmatisiert.

Ein bewundernswerter junger Mann, der hoffentlich auf anderem Weg zu einem späteren Zeitpunkt seinen Weg machen wird. Ich drück ihm fest die Daumen.

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Nachricht an das Blog, oder: you’ll never walk alone.

Gut. Sie weiß von nichts. Mal sehen wann ihr es auffällt.

„Hä? Wer bist Du denn?“

Ich bin’s: Dein admin. Ich melde mich mal weil ich dachte, dass Du so einsam bist.

„Und warum meldet sich die Dachfarmerin nicht?“

Ja, sie lässt Dich kleines Blog ganz schön hängen. Seit geraumer Zeit kein Eintrag mehr, obwohl sich die Pflänzchen auf dem Dach schon ganz prächtig entwickelt haben und schon zwei mal Salat geerntet und schon drei mal Spinat gegessen wurde. Gar nicht zu sprechen von den Bilderbuch Radieschen, die uns auch schon zweimal den Tisch gedeckt haben. Liebes Blog, ich füge Dir noch ein paar Bilder ein, dass Du mal siehst was da so alles passiert ist, ohne dass es Dir jemand gesagt hat.

„Ach toll, das soll mich wohl beruhigen…“

Aber Du wirst schon sehen. Es ist viel passiert. Die Dachfarmerin hat gefarmt was das Zeug hält. Und sie hat renoviert. Ein neuer grüner Salon ist entstanden. Also kein zweiter Garten – keine Angst. Ein frisch renoviertes Wohnzimmer. In Grün: die Farbe heißt Mai 85. Wir hatten ja Bedenken, weil es doch seeehr grün ist, aber das Resultat ist sehenswert. Die Decke haben wir auch gemacht. Das Raufasertapetenmonster mit Hilfe von Dobri und Plamen bekämpft, dann viermal (sic!) Farbe drauf gespritzt und na ja, das Ergebnis ist fast gut. Wir hätten ja nochmal eine Schicht auftragen müssen, aber wir wollten nicht länger warten. Die neuen LED-Lichtleisten machen ganz schön hell und das 500.1 Soundsystem mit den 502 Kabeln ist auch installiert ohne sichtbare Kabel. Und das Fernsehding flimmert auch wieder.

Kartoffelturm von oben
Kartoffelturm von oben
Zwischenstand, aber schon ganz schön grün
Zwischenstand, aber schon ganz schön grün
Radieschen
Radieschen

 

Viele gute Gründe für die lange Abwesenheit der Dachfarmerin. Ich hoffe Du bist ihr nicht allzu böse. Nun, Du fragst Dich bestimmt warum die Dachfarmerin jetzt wo doch die Renovierung vorbei ist, sich immer noch nicht bei Dir meldet: Ja, liebes Blog, das ist so eine Sache. Sie ist jetzt viel auf Facebook.

„WAS? Heilige Scheiße.“

Ja, das doofe Konkurrenzding zu Dir. Derzeit hat sie da eine kleine Rangelei mit der Bundeswehr.

„Mit der ganzen Bundeswehr? Die Arme.“

Nun klar, nicht mit der ganzen Bundeswehr, die sind ja zum Teil in Afghanistan oder andermorts um unsere Freiheit und unsere Ressourcen zu verteidigen. Sie balgt sich vielmehr mit jenen die wieder zurück sind und Bücher schreiben über ihren Einsatz dort. Diese Bücher stellen sie dann in Schulen und Hochschulen vor und machen Werbung für ihren Standpunkt und den Standpunkt der Bundeswehr.

„An Schulen???“

Ja an Schulen. Da werden Jugendliche mit militaristischem Geschwurbel von der Notwendigkeit der Kampfeinsätze überzeugt. Und schaut man mal genauer auf das Thema, dann bleibt der Mund offen stehen. Eine ganze Horde von Jugendoffizieren kümmert sich redlich um die Vermittlung von sicherheitspolitischen Inhalten: an Schulen und Hochschulen. Stolz berichten sie in ihrem Jahresbericht von knapp 10.000 Besuchen an Schulen, wo sie über 150.000 junge Menschen mit ihrer Botschaft erreicht haben.

„Welche Botschaft?“

Gute Frage, liebes Blog. Ich denke da in erster Linie daran, dass sie unseren Schülerinnen und Schülern erstmal ein recht gutes Bild von der Bundeswehr machen wollen. Alles cool, aldä. Dann wenn das Bild stimmt (BW-Camps, BeachVolleyball, lauter endgeiles cooles Zeug) dann wird noch rüber gebracht, dass es ganz normal ist, dass die deutsche Streitkraft sich auch im Ausland streitet. Dass Frauen und Kinder von Taliban befreit und Piraten versenkt werden müssen.

„Tali.. was?“

Ja Taliban. Die werden da jetzt unschädlich gemacht, auch wenn die konkurrierenden Sicherheitskräfte aus dem Ausland für deutlich mehr Verderben sorgen. Aber Du weißt ja. Man muss nicht alles verstehen.

Ich richte der Dachfarmerin einen Gruß von Dir aus. OK?

„Ne lass mal, ich bin immer noch beleidigt weil sie mich so vernachlässigt: aber sage ihr, dass sie mit den Schulen am Ball bleiben soll.“

Mach ich.
Dein admin.

P.S.: Wenn Dir langweilig ist und Du Aufmunterung brauchst guggschd Du bitte:

hier den Bericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr an

oder

hier ein Posting bei Facebook (durchlesen dauert ca. 45 Minuten…)

Nochmal P.S.: Weitere Bilder kann ich jetzt nicht posten. Die sind auf Dachfarmerins Computer mal wieder in einem nicht freigegebenen Bereich. Ich werde ihr demnächst die ganze Festplatte freigeben müssen. Grrhhh.

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Dachgarten

Das Wunder der Natur – Kümmerlinge zeigen Format

April, April, der macht was er will.
Für Rheinland-Pfalz verbuchten die DWD-Meteorologen im April 8,4°C (7,8°C). Worms meldete am 25. ein Maximum von 27,6°C. Am 27. blieb es mit 7,7°C dagegen um fast 20 Grad darunter. Der Niederschlag summierte sich in Rheinland-Pfalz auf 54 l/m² (57 l/m²), der Sonnenschein auf 144 Stunden (151 Stunden).
Hört sich recht nüchtern an – oder? Nun – meinen Pflänzchen hat der April richtig gut getan und der Auspflanzzeitpunkt (Mitte April) erwies sich als ideal. Meine Sorge, die kleinen Pflänzchen könnten verkümmern, hat sich als unbegründet heraus gestellt – es wurde täglich wärmer und sonniger.
Kurz vor dem Kälteeinbruch, habe ich die Beete mit den schicken lichtdurchlässigen Deckeln versehen, somit hatten es die Pflänzchen warm und gemütlich. Für die nötige Feuchtigkeit sorgten die gut gefüllten Regentonnen.

Apropos Regentonne: Bernd hat mir dort eine kleine Tauchpumpe versenkt, die ich mit einer Fernbedienung vom Dach aus in Gang setzen kann, somit hat die mühevolle Gießkannenschlepperei ein Ende.

Mister Ackermann auch dafür liebe ich Dich.

Spinat und Radieschen
Spinat und Radieschen
Beete 8 Mai
Beete 8 Mai
Asiasalat und Spinat
Asiasalat und Spinat
Radieschen und Spinat
Radieschen und Spinat

Den Spinat habe ich um einige Blätter beraubt und mit dem restlichen (eingefrorenen) Winterspinat in der Küche zu einem köstlichen Mahl verwurschtelt:

Ricotta-Spinat-Plätzchen mit Kräuterquark und Gurkensalat

Ricotta-Spinat-Plätzchen mit Kräuterquark und Gurkensalat
Ricotta-Spinat-Plätzchen mit Kräuterquark und Gurkensalat

Man nehme:

  • 350 g Spinatblätter
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 5 EL Olivenöl
  • 150 g Ricotta
  • 50 g geriebener Parmesankäse + Parmesan zum Servieren
  • 60 g Dinkelmehl (eventuell etwas mehr)
  • 2 Eier (Kl. M)
  • Salz
  • gemahlener Pfeffer aus der Mühle
  • Muskat
  • 4 Radieschen
  • 3 Zweige glatte Petersilie
  • 40 g Sesamsaat
  • Radieschensprossen
  • 1 EL Zitronensaft
  1. Spinat gut waschen und trocken schütteln. Zwiebel würfeln. Knoblauch durchpressen und mit Zwiebel in 1 EL Öl 1 Minute lang in einer Pfanne erhitzen. Spinat zugeben und abgedeckt zusammenfallen lassen. Auf einem Sieb abtropfen und auskühlen lassen. Gut ausdrücken und fein hacken. Mit Ricotta, Parmesan, Mehl und Eiern zu einer zähen Masse verrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskat kräftig abschmecken. 15 Minuten quellen lassen.
  2. Inzwischen Radieschen fein hobeln. Petersilienblätter von den Stengeln zupfen. Aus der Masse mit nassen Händen 6 große Taler formen. Ist die Masse zu weich etwas mehr Mehl unterkneten. Taler von beiden Seiten in Sesamsaat drücken. 3 EL Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Taler darin bei mittlerer Hitze portionsweise auf jeder Seite 2–3 Minuten braten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Radieschen, Petersilie und Sprossen mit Zitronensaft und restlichem Öl mischen. Mit Salz würzen. Auf den Plätzchen mit geriebenem Parmesan servieren.
Ricotta-Spinat-Masse
Ricotta-Spinat-Masse